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So oft die Nachricht von einem neuen Siege seines Vaters einlief, rief erschmerzlich bewegt aus: „Mein Vater wird mir nichts mehr zn erobernübrig lassen." Als einst persische Gesandte nach der mazedonischen Haupt-stadt Pella kamen, erkundigte sich der Knabe voll Eifer nach ihre» Staats-einrichinngen und ihrem Heimwesen. Aus die Frage, die einst an ihn ^gerichtet wurde, ob er seine Schnelligkeit nicht einmal in den Wettlaufenzn Olympia zeigen wolle, gab er zur Antwort: „Ja, wenn ich mit Kö-nigen um die Wette laufen könnte." Einst wurde seinem Vater einwildes thessalisches Pferd, „Bnkephalos" genannt, für hohen Preis zum l
Kaufe angeboten. Die geübtesten Reiter versuchten vergebens ihre Kunst !,
an dem schönen Tiere; es ließ keinen aufsitzen. Philipp gab Befehl, sdasselbe wegzuführen. Da erbat sich Alexander die Erlaubnis, noch einenVersuch zn wagen. Er hatte nämlich bemerkt, daß das Tier vor seinem i
eigenen Schatten scheute; daher führte er es gegen die Sonne und streichelte i
es eine Zeitlang; dann ließ er unbemerkt seinen Mantel fallen und i
schwang sich auf das Pferd. Blitzschnell flog das edle Tier mit ihm dahin,so daß Philipp für das Leben des Knaben zitterte. Als jedoch Alexanderumkehrte nnd das Roß ganz nach Belieben tummelte, staunten alle; i
Philipp aber umarmte ihn unter Frendenthränen nnd rief anS: „Mein '
Sohn, suche dir ein anderes Reich; Mazedonien ist zn klein für dich." s
2. Die Unterwerfung Griechenlands. Als König zwang s
Alexander zuerst die Griechen zur abermaligen Anerkennung ,
seines Oberbefehls. Theben versuchte zu widerstehen. Allein s
trotz der tapfersten Gegenwehr wurde die Stadt erobert und bis
auf die Tempel und das Haus des Dichters Pindar zerstört. ..Dieses schwere Schicksal Thebens schreckte Griechenland ab, sichferner gegen Alexander zu erheben. Jetzt konnte ihn nichtsmehr zurückhalten, den Plan seines Vaters auszuführen, und !ein mazedonisches Weltreich zu gründen. s
3. Der Zug nach dem Morgenlande. Im Frühling j
des Jahres 334 brach Alexander au der Spitze der Griechen -
und Mazedonier gegen die Perser auf und schlug dieselben i
am Granikus und bei Jssus.
Hierauf setzte er seinen Siegeszug über Phönizien undPalästina bis nach Ägypten fort. Nur Tyrus widerstandihm. Nach siebenmonatlicher Belagerung war auch diesesbezwungen. Judäa ergab sich ohne Schwertstreich. Am Nil-delta gründete er die neue Handelsstadt Alexandria.
Alexander besaß nun schon ein Reich, das sich durch Europa, Asiennnd Asrika erstreckte. Seine Reichtümer waren unermeßlich. Königlichbelohnte er damit vor allem seine Diener nnd Soldaten. Da ließ einersogar die Stiefel mit silbernen Nageln beschlagen, ein anderer zn seinenKampsspielen den Sand, mit welchem die Rennbahn bestreut wurde,anf vielen Kamelen aus Ägypten holen. Alexander tadelte dies, indemer sagte: „Ich wundere mich, wie Männer, die so viele nnd große