Buch 
Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen, sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
Entstehung
Seite
136
JPEG-Download
 

136

Das Wahlrecht brauchte man gegen Personen, die des Mordesverdächtig waren. Man legte den Ermordeten auf eine Bahre und derAngeklagte mußte dessen Wunde berühren. Regte der Ermordete sich, kamdas Blut aus der Wunde, oder trat ihm Schaum vor den Mund, so warder Angeklagte schuldig.

Erst im 13. und 14. Jahrhundert gelang es durch die allgemeineEinführung des kirchlichen oder kanonischen Rechtes dem Unfug Einhaltzu thun.

3. Die Klöster. Die größten Verdienste um die Aus-breitung des Christentums sowohl, als um Kultur und Bil-dung, Künste und Wissenschaften erwarben sich die religiösenOrden oder Klöster. Im Abendlande erlangte der Bene-diktinerorden, gestiftet vom hl. Benedikt von Nursia in»43 Italien (gest. 543), die größte Berühmtheit. Bald war erüber ganz Europa verbreitet. Sein Hauptziel war neben derPflege des Gottesdienstes und des Predigtamtes die Er-ziehung der Jugend. Dem Wandertriebe der Völker gegenüberbestimmte er für seine Mitglieder feste Wohnsitze. Auchwurde, wo Mönche hinkamen, das Land urbar gemacht. Umihre Zellen entstanden Dörfer und Städte. So verdankenLondon und Paris ihren Ursprung klösterlichen Ansiedelungen.

In den Klöstern wurde, schon wegen ihrer vielen Bauten,das Handwerk gepflegt und geübt. Für den Handelwaren die kirchlichen Feste und Feierlichkeiten von größterBedeutung; denn da kam in der Regel das meiste Volk zu-sammen und wurden die meisten Waren gekauft. Daherstammt auch der heute noch vielfach gebrauchte Name „Messe"für Markt, Jahrmarkt. Nicht selten treffen wir deshalb inder Nähe von Klöstern oder Bischofssitzen auch heute nochsogenannte Markthallen, d. h. gedeckte Plätze oder Stände, beidenen die verschiedenen Waren feilgeboten wurden. Auchverwendete ja die Kirche von jeher die feinsten Sachen selbstfür den „Gottesdienst, wie Gold und Silber, feine Leinwand,Seide, Öl, Weihrauch.

Aber auch eine Stätte der Künste und Wissenschaftenwaren die Klöster. Aus den alten Kloster- oder Domschuleuentwickelten sich die großen Universitäten oder Hochschulendes Mittelalters. Mönche legten meistens den Grund zu denberühmtesten Bibliotheken der Welt.

Die berühmtesten Klöster des Abendlandes waren währendJahrhunderten dasjenige zu Fulda in Deutschland, gestiftet