Band 
Erster Teil. Altertum und Mittelalter.
Seite
50
JPEG-Download
 

50

schmückten sich mit grünen Zweigen und saugen lustige Lieder, auch wohlSpottlieder auf den Triumphator selbst, damit er nicht zu übermütigwürde. Dieser aber fuhr, auf einem Wagen stehend, in der Mitte desZuges. Diese Ehre war sein Lohn und ein Lorbeerkranz sein Schmuck. l )

7. Hlorn ein Kaiserreich.

(30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)

1. Cäsar Augustus. Im Anglist des Jahres 29 kehrteOctavian nach Rom zurück; kurz darauf nahm er den Na-men seines Großoheims, Cäsar, d. i. Kaiser, an. Der Se-nat aber schmückte ihn mit dem Ehrentitel Augustus, d. i.der Erhabene.

Cäsar Augustus regierte 44 Jahre (30 v. Chr. bis14 n. Chr.) und zwar gut und menschenfreundlich. Er warfür Rom, was Perikles für Athen gewesen war. Künste undWissenschaften blühten. Die Lehmhäuser der Stadt verwan-delten sich in Paläste aus Marmor. Die Provinzen fandenSchutz vor der Willkür der Statthalter. Augustus selbst be-reiste sie wiederholt, um ihre Verhältirisse zu ordnen. Ins-besondere war seine Zeit das goldene Zeitalter der römischenLitteratur mit den Dichtern Horaz, Virgil, Ovid, den Ge-schichtsschreibern Livius, Cornelius Nepos, Sallust u. s. w.

2. Der Kampf gegen die Germanen. Ein schwerer Kampfblieb indessen auch Augustus noch übrig. Trotz der kräftigenVorsorge des Julius Cäsar beunruhigten nämlich die Ger-manen immer wieder das römische Gebiet jenseits des Rheines.Augustus beschloß also, auch diese noch zu züchtigen. Zu demZwecke sandte er zuerst seinen Stiefsohn Drusus mit einemgewaltigen Heere über den Rhein, allein ohne Erfolg. Daübernahm Tiberius, dessen Bruder, die Oberleitung desKrieges. Dieser siegte zwar, doch nicht so fast durch die Ge-walt der Waffen, als vielmehr durch List und Betrug. Kaumaber war er wieder abgezogen und Quintilius Varus,ebenfalls ein Verwandter des römischen Kaiserhauses, als Statt-halter über Deutschland an dessen Stelle getreten, so fingendie unterjochten Stämme auch schon wieder an, auf ihre Be-sreinng zu sinnen. An ihrer Spitze stand der CheruskerfürstHermann, von den Römern Arminius genannt. Auf seinen

l) St. Gallisches Lesebuch a. a. O.