Band 
Erster Teil. Altertum und Mittelalter.
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Märtyrern befohlen, daß sie durch Bewegung ihrer Hände, als wollten siemit ihnen kämpfen, die wilden Tiere gegen sich aufreizen, doch nicht ein-mal auf diese Weise konnten sie ein Leid empfangen. Da endlich wurdenneuerdings Menschen, die ja wilder sein können, als die reißenden Tiere,nochmals gegen die Märtyrer abgeordnet. Und so vollführten diese nunmit dem Schwerte, was die Vernunftlosen Tiere nicht zu thun vermochten.

In Ägypten aber ermüdeten die Arme der Schlächter, sie lösteneinander ab, ihre Kräfte schwanden und ihre scharfen Schwerter wur-den stumpf. Man sah da die müde gewordenen Würger raste» und ihrenMut neu beleben, Schwerter wechseln, Kräfte sammeln und den Tag enden,bevor an allen die Strafe vollzogen war.

Wer aber könnte es ivagen, das, was in Phrygien geschehen ist,zu übergehe», wo sowohl die allgemeinen Menschenrechte, als auch dieGesetze des römischen Staates verletzt worden sind? wo man eine Stadtchristlicher Bürger einfach von Soldaten umzingeln und alle Männer der-selben mitsamt den Weibern und Kindern und den Greifen verbranntein einem ungeheuern Brande! Jenes aber wiederholen, was die hl. Mär-tyrer in Arabien, wo sie mit Beilen enthauptet ivorden sind, gelitten haben,wer wäre es im stände? Oder wer vermöchte alles ans Tageslicht zubringen, was in Cappadozien geschehen ist, wo den Verehrern Gottes dieGebeine gebrochen wurden? Wer vermöchte die Kreuzigungen in Meso-potamien zu erzählen, allwo man die Christen mit auf den Rücken gebun-denen Händen an den Füßen aufhing, und durch den beißendsten Rauchdes unter ihnen angemachten Feuers auf die unmenschlichste Weise zu Todequälte! Oder wie sollte ich erzählen, was zu Alexandria verübt wurde,wo man sie mit abgeschnittenen Ohren, mit verstümmelten Nasen undHänden und verkürzten übrigen Gliedern znm Gelächter herumgehen ließ,— oder zu Antiochia, wo die Christen auf Gitter gelegt und darauf ge-braten wurden? Aber, was beginne ich? Mangeln mir doch die Worte,um diese Schandthaten zu benennen, und können doch keine Ausdrücke ge-funden werden, um diese Frevel und Grausamkeiten auszuzählen." ‘)

4. Märtyrer. Trotzdem zählen die Märtyrer oderBlutzeugen jener Tage, d. h. diejenigen, welche lieber ihrBlut unter dem Henkerbeile verspritzen, als ihren Glaubenverleugnen und den Göttern opfern wollten, nach Millionen.Das Christentum selbst nahm nicht im mindesten ab; imGegenteil dieser Mut und diese Entschlossenheit der Märtyrergewann demselben nur neue Scharen. „Das Blut der Mär-tyrer war der Same für das Christentum."

d) Der Triumph.

1. Constantin. Den Verfolgungen machte Constantin derGroße ein Ende. Dieser war der Sohn des Constantius

■) Eus-bius, Äirchengeschichte. V. VI. VIII.