Band 
Erster Teil. Altertum und Mittelalter.
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sich durch Gottesfurcht, durch Gehorsam gegen den Kaiser und durch einuiusterhaftes Betragen auszeichnete und wenigstens vier Ahnen ausweisenkonnte. (Bergt, die Erzählungen der „Nibelungenzage" über Siegfried.)

Die Wohnung des Ritters ivar das Schloß oder die Burg, auf An-höhen oder an Bergabhängeu, aus schwer zugänglichen Felsen oder endlichauf Inseln in Flüssen, Teichen und Seen erbaut. Tiefe Gräben unddicke Mauern umschlossen dieselbe. Über den Graben führte eine Fall-brücke, die bei drohender Gefahr aufgezogen wurde. Das Hauptgebäudewar der Turm mit dem Rittersaale und der Burgkapelle. In seinemuntern Teile dagegen barg der Turm das senster- und thürlose Verließ,in das die Gefangenen an Stricken versenkt wurden. I» der Mitte desBurghofes war der Ziehbrunnen, der das nötige Wasser lieferte. — SolcheBurgen waren z. B. in der Schweiz namentlich im Kanton Thnrgan undam Bodensee, wo sie teilweise sogar heute noch stehen. Bekannt aus derSchweizergeschichte ist die Habsburg, das Stammschloß des später so mäch-tigen Kaiserhauses, aus der Weltgeschichte die Wartburg, auf der Elisabethvon Thüringen und später Luther verweilte. (Vergl. „Der Trompeter vonSäckingen" von Scheffel.) Seine höchste Blüte erlangte das Rittertumzur Zeit der Hohenstanfen und der Krenzzüge.

Eine besondere Frucht der Kreuzzüge waren die christlichen Ritter-orden. Zur Pflege der Kranken wie zum Schutze der Pilger wurdennämlich in Jerusalem eigene Vereinigungen gegründet. Diese hatten, wiedie übrigen religiösen Orden, die Gelübde der Armut, der Keuschheit unddes Gehorsams abzulegen; zugleich aber pflegten sie auch den Kriegsdienstund das Wafsenhandwerk. Es waren dies der Johanniterorden, derTemplerorden und der b'eittfd)e Ritterorden. — Der Johanniter-orden war um das Jahr 1048 von Kaufleuten aus Amalfi (in Unter-italien) in Jerusaleni gegründet worden, (stach den Siegen der Türkenüber die Christen aber kam er zuerst nach Cypern, dann nach Rhodus(vergl. Schillers „Kampf mit dem Drachen") und endlich nach Malta.Der Teniplerordcn, 1118 von französischen Rittern ins Leben gerufen,wurde später von Philipp IV. von Frankreich wegen seiner Reichtümerschwer verfolgt und darum auch schon 1312 wieder aufgehoben. Der Ordender deutschen Ritter, dessen Ursprung in das Jahr 1128 zurückreicht, kanispäter nach Deutschland und machte sich daselbst namentlich um die Be-kehrung Preußens znm Christentum verdient.

2. Das Bürgertum. Mit der Gründung der Städte entwickeltesich das Bürgertum. Je mehr Freiheiten nnd Rechte nämlich die Städtegenossen, desto mehr blühte in ihnen auch der Handel und das Gewerbe.So wurden neben den Klöstern und Burgen allmählich auch die Städteder Sitz der Bildung, der Künste nnd Wissenschaften. Zugleich mit ihnenaber kain auch der Wohlstand, die Macht nnd das Ansehen der Bewohner.Bewohner oder „Bürger" einer Stadt zu sein, galt daher ebenso wie dieritterliche Würde als ein besonderer Vorzug und eine besondere Ehre.

Insbesondere waren die Städte auch der Sitz des Handwerks, so daßsich die Bürger meist nach diesem auch selbst wieder in verschiedene Gruppen,Innungen oder Zünfte teilten. So unterschied man die Zunft der Metzger,der Schuster, der Schneider, der Schmiede, der Weber n. s. w. Heutenoch finden sich daher in vielen Städten auch noch eine Metzger-, Schmied-