Band 
Erster Teil. Altertum und Mittelalter.
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c) Das Rrchtswcsen.

Früher urteilten die Richter mehr nach ihrer besten Einsicht alsnach bestimmten Gesetzen. Selten lagen auch solche für den einzelnenFall vor. Allmählich aber bildeten sich durch die fortgesetzten richterlichenEntscheidungen doch gewisse Gewohnheitsrechte. Endlich wurden diese ge-sammelt und für die Zukunft maßgebend. So entstand um das Jahr1230 der Sachsenspiegel und etwa 50 Jahre spater der Schwabenspiegel,jener für Norddentschland, dieser für Süddentschland. Auch hörten dieGottesurteile auf. Dagegen kam die Folter in Gebrauch, d. h. man suchtedurch furchtbare Martern das Geständnis der Angeschuldigten zu erzwingen.

Eine eigene Art von Gerichten im Mittelalter bildeten die Fehm-gerichte. Es waren dies nämlich geheime oder verborgene Gerichte, dievorzüglich über Abfall vom Glauben, Zauberei, Diebstahl und Mord ur-teilten. War Einer vor diesem Gerichte angeklagt, so erhielt er einfacheine briefliche Vorladung. Erschien er nicht oder konnte er sich nicht ver-antworten, so wurde er für verfehmt erklärt, d. h. den Beisitzern des Ge-richtes (Schoppen, Schöppengericht) preisgegeben. Wer von diesen ihndann im Beisein von zwei andern Schoppen fand, knüpfte ihn an dennächsten Baum auf oder stieß ihn mit einem Messer nieder. Dabei warein Schöppe dem andern natürlich znr Hilfeleistung verpflichtet. So ent-ging allerdings selten ein Verbrecher seiner Strafe; anderseits jedoch führtedieses Verfahren auch wieder zn gewaltigen Mißbränchen?)

ä) Künste und Wissenschaften.

1. Tie Dichtkunst. Am meisten blühte im Mittelalter die Dicht-kunst. In der Regel aber war der Dichter auch zugleich Sänger. SDittklingender Harfe in der Hand erschien er darum meistens selbst auf denBurgen der Ritter und Grafen, der Könige und Fürsten, um da seineLieder und Gesänge vorzutragen. Die Thaten berühmter Helden, nament-lich der Kreuzzüge, boten dazu den meisten Stoff. So stammt aus dieserZeit das herrliche Nibelungenlied. Auch die Minne oder Liebe war Ge-genstand des Gesanges. Sie war die Verehrung, welche der Liebe undAnmut, der Unschuld und Tugend der Frauen, als Pflegerinnen häusli-chen Glückes und häuslicher Sitte, in zarten Liedern dargebracht wurde.(Vergleiche die beiden Gedichte: „Der Graf von Habsbnrg" von Schillerund „Des Sängers Fluch" von Uhland.)

2. Die Baukunst. Mit der Entwicklung der Städte gelangte auchdie Baukunst zu neuer Blüte. Dem Geiste der Zeit entsprechend aberverlegte man auch hierin die meiste Sorge auf den Bau der Kirchen undKlöster. So entstand bei Gelegenheit der Äirchenbanten sogar ein neuerBanstil.

Schon seit dem Bestände des Christentums wurden nämlich auchbeim Baue der Gotteshäuser bestimmte Regeln und Formen, Stile inne-gehalten. So baute man zunächst im sogen. Basilikenstil. Basilikenaber nannten die Griechen und Römer große öffentliche Gebäude, welcheznm Handel und znr Gerichtspflege bientni. Es waren Säulenhallen, im

*) Vgl. Weiter, Weltgesch.