56
Von Anfang an in einen Erbfolgekrieg verwickeltnno rings von Feinden umgeben, hat sie zwar nicht allebesiegt, doch hat sie wenigstens die Hauptsache gerettet undist auch gegenüber Friedrich II. ehrenvoll unterlegen. „Sieehrte den Thron und ihr Geschlecht", sagte dieser selbst von ihr.
Im Innern des Reiches sorgte sie gleich ihremgroßen Zeitgenossen Friedrich für Ackerbau, Handel und Ge-werbe, soweit die vielen Kriege solches gestatteten. Ebensogründete sie zahlreiche Volksschulen und höhere Bildungs-anstalten, wie die Universität Wien, die Akademie der bil-denden Künste, Militärschulen, Museen u. s. w. Nicht minderpflegte sie das Recht und die Gerechtigkeit. Die Folter wurdeabgeschafft, die drückenden Steuern wurden erleichtert, dieFrondienste gemildert. Maria Theresia zur Seite stand^45 ihr Gemahl Franz I. (1745—1765), der seit dem TodeKarls VII. von Bayern zugleich den Titel „Deutscher Kaiser"trug. Nach dessen Tod (1765) nahm sie ihren Sohn Jo-seph II. (1765—1790) zum Mitregenten an. Doch ver-mochte dieser, so lange Maria Theresia regierte, nur einensehr geringen Einfluß auf die Regierung zu gewinnen.
1780 2. Joseph II. (1780—1790). Um so thätiger war
Joseph II. als Alleinherrscher seit dem Jahre 1780. Joseph II.gilt als ein Hauptvertretcr der „Aufklärung". Er wolltenicht bloß den Staat, sondern auch die Kirche regieren, hobKlöster auf, ordnete den Gottesdienst nach seinem Gutdünken,führte für päpstliche und bischöfliche Erlasse die kaiserliche° Genehmigung ein u. s. w. Umsonst reiste der Papst selbstzu ihm nach Wien, um ihn von solchen Schritten abzuhalten.Der Kaiser nahm ihn zwar sehr freundlich auf, kümmertesich aber im übrigen um ihn wenig.
Ebenso hob Joseph II. die Leibeigenschaft auf und führtedie Verkehrs- und Gewerbefreiheit ein, d. h. jeder durftesich niederlassen und ein Gewerbe treiben, wo er wollte. Auchdie Todesstrafe wurde abgeschafft.
Dagegen sollten alle die verschiedenen Staaten, ausdenen sein Reich bestund, in einen Staat verschmolzen werden,indem nur eine Sprache, nämlich die deutsche, und einGesetz herrschen sollte.
Solche und ähnliche Reformen zogen ihm aber auch zahl-lose Feinde zu. So starb er, indem er verlangte, daß man