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Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
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meinetwillen ein Tropsen Blntes vergossen würde. Ich habe das nichtgewollt, als es mir vielleicht Thron und Leben gerettet hätte, und ichbereue es nicht."

Am Morgen des 21. Januar stand Ludwig um 5 Uhr auf undempfing die hl. Kommunion. Man hörte das Geräusch der Truppen,durch welche die Hinrichtung gedeckt werden sollte; aber erst um 9 Uhrkam Santerre, von Mnnizipalen und Gendarmen begleitet, um das Schlacht-opfer abzuholen. Ludwig bestieg im zweiten Hofe eine Lohnkntsche, inwelche sich ein Geistlicher und zwei Polizeidiener zu ihm setzten. Lang-sam fuhr er durch die mit Truppen und Geschützen bedeckten Straßen.Seine Miene war ernst aber nicht niedergeschlagen, er hatte sich völligin sein Schicksal ergeben. Das Blutgerüst war auf dem Revolutions-platze, den Tuilerien gegenüber, am Fußgestell der zertrümmerten Bild-säule Ludwigs XV. aufgerichtet. Als der Wagen stille hielt, sagte Lud-wig gleichmütig. „Da sind wir," doch schien er erschüttert, als ihn derHenker und dessen Gehilfen schon an der Treppe des Gerüstes empfingenund ihn des Rockes entkleideten. Da rief ihm der Geistliche zu: „Sohn deshl. Ludwig, steige gen Himmel!" woraus er festen Schrittes die Stufen hinauf-stieg. Von dem Schafotte aus betrachtete er das dichtgedrängte Volk; dann warfer einen Blick nach den Tuilerien hinüber. Der Platz war von einer unab-sehbaren Menge von Zuschauern und Nationalgarden besetzt; in einiger Ent-fernung standen mehrere mit Kartätschen geladene, gegen das Schafott ge-richtete Kanonen. Als ihn die Henker ergriffen, um ihm das Sünder-kleid anzulegen, die Haare abzuschneiden und die Hände auf den Rückenzu binden, wollte er dies, besonders das letztere, nicht geschehen lassen,fügte sich jedoch auf die Erinnerung des Priesters, daß er durch solchesBinden dem Heilande ähnlicher werde. In dieser Gestakt trat er an denRand des Gerüstes gegen das Schloß zu und winkte der KriegsmusikSchweigen. Unwillkürlich verstummte sie, den erhaltenen Befehlen zu-wider, und nun sprach er so laut, daß es im Garten der Tuilerien ge-hört ward: „Franzosen, ich sterbe unschuldig. Ich vergebe meinen Fein-den. Ich wünsche, daß auch Gott ihnen vergeben und daß mein Toddas Wohl Frankreichs befördern möge!" Die letzten Worte wurden vomGetöne aller Trommeln verschlungen, die aus Santerres Gebrüll zuwirbeln begannen. Wenige Minuten darauf fiel sein Haupt unter demFallbeil; es wurde von einem der Henkersknechte unter Luftsprüngen umdas Gerüst herumgetragen, während von allen Seiten das Geschrei: „Eslebe die Nation, es lebe die Freiheit!" ertönte. Hüte und Mützen flogenin die Höhe, mehrere Personen tauchten ihre Tücher in das Blut. Aufden Gesichtern der Zuschauer bemerkte man weder Mitleid noch irgendwelches Gefühl des begangenen Verbrechens. Die meisten zeigten einegrimmige Freude, die übrigen eine stumpfsinnige Nengier. Gleich nachder Hinrichtung umtanzte der Pöbel das Blutgerüst, Niemand wagte es,auch nur eine Thräne zu vergießen. Am Abend waren die Schauspiel-häuser gedrängt voll, und drei Tage nachher sprach man in Paris nichtmehr von der furchtbaren That." ')

14. Die königliche Familie. Dem König folgte dieKönigin, Maria Antoinette, eine österreichische Prinzessin.

*) Klei», a. a. O. S. 698 .