94
wußten. Auch hier lautete deshalb das Losungswort in ersterLinie: „Freiheit und Gleichheit", — Freiheit für die bis-herigen Unterthanenländer und Gleichheit mit den dreizehneidgenössischen Orten; — Freiheit für die Landbewohner undgleiche Rechte mit den Bürgern der Stadt in Handel undVerkehr; Abschaffung endlich auch hier des alten Erbadelsmit all' seinen Vorrechten und Privilegien und Gleichstellungendlich aller Bürger vor dem Gesetze.
a) Die Darboten.
( 1719 — 1798 .)
1719 1. Frühere Unruhen. Schon in den Jahren 1719 bis
1722 entstanden Unruhen unter den Werdenbergeru,welche größere Rechte und Freiheiten von ihren Landesherren,den Glarnern, verlangten.
1723 Im Jahre 1723 versuchte im Waadtlande MajorDavel einen Aufstand gegen die Berner zu erregen.
1755 Den Waadtländern folgte 1755 das Livinenthal durchseine Erhebung gegen die linier.
Ebenso klagte in den Städten Bern, Freiburg undGens die Masse der Bürgerschaft gegen die Übergriffe unddie Machtstellung einiger Patrizierfamilien.
Überdies war die Schweiz eben damals, wie schon früherbemerkt worden ist, in mehr als fünfzig verschiedene Gebietegeteilt. So war auch schon von diesem Standpunkte ausein engeres Zusammenwirken und Zusammenhalten fast nichtmehr möglich. Einst freilich hatte der Grundsatz gegolten:„Alle für Einen"; jetzt aber hieß es: „Ein Jeder für sich."
2. Der Einfluß der Pariser Vorgänge. Endlich hattesich in Paris zu der Zeit, da die Revolution ausbrach, eineigener Verein von Schweizern, der sogenannte Schweizer-klub, gebildet. Durch Schriften und geheime Agenten unter-richteten diese sorgfältig ihre Brüder in der Heimat überalles, was in jenen Tagen in der Weltstadt vorging, priesenihnen die schöne Freiheit, sangen ihnen das Lob der Gleich-heit und Brüderlichkeit und forderten sie endlich auf, nachdemselben Ziele zu streben.
Solches ließen sich natürlich vorab die Unterthanenlän-der nicht zweimal sagen.