8
die beiden ihm zugeschriebenen Gedichte sind ein wunder-sames Denkmal aus der griechischen Urzeit. Noch heuteerfreuen sich die Gebildeten aller Länder an ihrer unver-gänglichen Schönheit und Frische. Für die Griechen aberwaren sie gleichsam die Bibel, das Lieblingsbuch, aus demdie Jugend unterrichtet wurde und an dem sich das Altererbaute. Alles, was die Brust des Griechen bewegte, dieGötter, zu denen er betete, die Helden, die er als Vor-bilder der Tapferkeit ehrte, wunderbare Abenteuer, märchen-hafte Fahrten, die seinen Geist ergötzten, fand er in seinemHomer.
8. Der trojanische Krieg. — Einst, so lautet dieSage, kam Paris, ein Sohn des Priamos, des greisen Königsvon Troja in Kleinasien, zu Menelaos, dem König von Spartaim Peloponnes, auf Besuch. Ihm gelang es, die Gemahlindes Menelaos, die schöne Helena, so zu berücken, daß siemit ihm entfloh. Um den Schimpf zu rächen, forderte Menelaosdie ihm befreundeten Könige und Helden in ganz Griechen-land auf, mit ihm gegen Troja zu ziehen, und alle sagten ihmzu, so sein Bruder Agamemnon, der mächtigste Herrscherin Griechenland, der greise Nestor, der kluge Odysseus,und viele andere, namentlich auch der Held Achilles, derobwohl noch jung an Jahren, an Kraft und kriegerischemUngestüm alle andern weit überragte. Auf unzähligen Schiffenverließen sie die Heimat und landeten in Troja, dem Landesüdlich vom Hellespont, der Meerenge, die Europa von Asientrennt. Aber der Feind war zahlreich und tapfer und seineHauptstadt Ilion stark befestigt mit Mauern und Türmen.Auch den Trojanern waren Bundesgenossen aus ganz Klein-asien und weiterher zu Hilfe geeilt, und an dem edlen Hektor,dem tapfersten unter den Söhnen des Priamos, besaßen sieeinen Führer, der keinem griechischen Helden nachstand.So erhob sich ein hartnäckiger Krieg;,neun Jahre lang tobteder Kampf um die Mauern Ilions, und jeder Versuch, dieStadt im Sturm zu nehmen, mißlang. Da geschah es, daßsich Achilles mit Agamemnon, dem Oberbefehlshaber der