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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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sie um ihre Meinung befragt, so mußten sie diese kurzund bündig, ohne Wortschwall zu sagen suchen. Daherwaren die kurzen und treffendenlakonischen Antwortenberühmt. In ähnlicher Weise wurden die Mädchen erzogen,und die Frauen Spartas waren infolgedessen als die schön-sten und kräftigsten von ganz Hellas berühmt.

4. Die Erwachsenen. Mit dem achtzehnten Alters-jahre traten die Jünglinge in eine Art Kaserne über, wo siein der Handhabung der Waffen und in militärischen Marsch-übungen unterrichtet wurden. Im zwanzigsten wurde derjunge Spartaner endlich unter die Krieger aufgenommen,aber bis zum dreißigsten mußte er in der Kaserne bleibenund die täglichen Kriegs- und Leibesübungen mitmachen. Erstmit dem dreißigsten Altersjahre durfte er einen eigenenHausstand begründen. Aber auch jetzt noch mußte er mitseinen Waffenkameraden gemeinsam speisen, und der Staatschrieb die Speise vor, damit keinerlei unkriegerische Weich-lichkeit und Üppigkeit einreiße. Das Hauptgericht für alle,die Könige nicht ausgenommen, bildete dieschwarze Blut-suppe, d. h. saures, in Blut gekochtes Schweinefleisch;dazu durften noch Wildbret, das einer der Tischgenossenselber erlegt hatte, Gerstenbrot, Wein und Früchte kommen.Die Kleidung war ebenfalls für alle dieselbe, ein Hemd undein Mantel von grober, ungefärbter Wolle. Keinerlei Luxuswurde geduldet. Ein Gesetz schrieb vor, daß die Decke desHauses nur mit der Axt, die Türe nur mit der Säge be-arbeitet sein dürfe. Damit nicht durch den Handel Luxus-waren ins Land kämen, hatte man in Sparta eisernes Geld,das in der Fremde wertlos war. Bei Todesstrafe war denSpartanern verboten, ohne Erlaubnis der Obrigkeit dieHeimat zu verlassen, und keinem Ausländer wurde gestattet,sich in Lakonien anzusiedeln. Auch verbot der Staat, dieGüter zu verkaufen oder zu teilen. So stand das Leben derSpartaner von der Geburt bis zum Tode unter hartem Zwang;ein jeder sollte fühlen, daß er nicht sich, sondern dem Ganzengehöre.