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die Leiche des Mardonius ans Kreuz schlagen zu lassen, wiedas dem Körper des Leonidas widerfahren sei, wies er dieseZumutung als einen Schimpf zurück; dies Verfahren sei einesBarbaren würdig, aber nicht eines Hellenen. Wie überall imAltertum, bestand auch in Griechenland die Sklaverei.Fast alle Arbeiten, die bei uns Dienstboten, Gesellen, Fabrik-arbeiter und Taglöhner verrichten, wurden durch Sklavenbesorgt; selbst der Ärmste suchte sich mindestens einenSklaven zu halten. Aber die angeborene Menschlichkeit derGriechen, znmal der Athener, milderte das Los dieser Unglück-lichen bedeutend, so daß der Redner Demosthenes sagenkonnte, in Athen genössen die Sklaven mehr Freiheit, alsan manchen Orten die Bürger. Derjenige, der grausam be-handelt wurde, konnte flüchten und seinen Herrn vor Gerichtzwingen, daß er ihn an einen andern verkaufen mußte.Auch scheute man sich, Griechen zu Sklaven zu haben;diese waren in der Regel Barbaren, die aus despotischregierten Ländern herstammten und daher schon an eine ArtUnfreiheit gewöhnt waren.
§ 9. Der peloponnesisclie Krieg. Alkibiades.
1. Die Pest in Athen. Perikies f (428 v. Chr.). —Eine Zeitlang hatte es den Anschein, als ob Athen fürGriechenland das werden sollte, was Rom später für Italienwurde, der Kitt, der die unendlich zersplitterte Hellenenweltzu einem großen und starken Ganzen verbände. Schonumfaßte die von ihm geleitete oder beherrschte Eidgenossen-schaft Hunderte von Städten, und Perikies hoffte, ganzGriechenland zu einem großen Friedensbunde einigen zukönnen. Auf seine Veranlassung luden die Athener allehellenischen Staaten ein, Gesandte in ihre Stadt zu schicken,um gemeinsam über die Wiederherstellung der durch diePerser zerstörten Heiligtümer, sowie über die Sicherung desVerkehrs und Friedens unter den Hellenen zu beraten.Allein der große Gedanke scheiterte, weil die Spartaner