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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Glieder hätten sich einst gegen den Magen verschworen, daßsie ihm keine Speise mehr zuführen wollten, weil dieserallein alles verzehre und doch nichts arbeite. Der Magenhabe sich dabei sehr schlecht befunden, aber nicht wenigerdie Glieder, bis sie erkannt hätten, daß der Magen nichtohne sie und auch sie nicht ohne den Magen bestehenkönnten. Das Volk verstand den Sinn dieser Fabel und gabgegen das Versprechen, daß der härtesten Schuldennot Ab-hülfe geschafft und eine besondere Behörde zum Schutze derPlebejer errichtet werden solle, sein Vorhaben, sich von denPatriziern zu trennen, auf.

4. Die Volkstribunen. — Diese Behörde waren dieVolkstribunen, welche die Plebejer frei aus ihrer Mitte wählendurften. Das Haus der Volkstribunen mußte Tag und Nachtjedem Bedrängten und Verfolgten offen stehen. Um ihrSchützeramt wirksam durchzuführen, erhielten sie großeBechte, namentlich dasjenige, gegen jeden Befehl der Konsulnoder anderer Beamten durch das Wort Veto, d. i. ich ver-biete, Einsprache zu erheben; dann durfte der Befehl nichtvollzogen werden. Sie konnten durch ihr Einschreiten sogarBeschlüsse des Senates unwirksam machen und Zuwider-handelnde zur Strafe ziehen. Sie selbst aber wurden für un-verletzlich erklärt. Wer sich an ihnen vergriff oder sie ander Ausübung ihres Amtes hinderte, der verfiel dem Fluchder Götter und sollte ungestraft von jedermann getötet wer-den dürfen.

5. Rom ein Volksstaat (300 v. dir.). — Unter derFührung ihrer Volkstribunen erlangten nun die Plebejer all-mälig immer weitere Rechte. Sie setzten es durch, daßdurch geschriebene Gesetze der Willkür der patrizischenRichter Schranken gesetzt, daß das Verbot von Ehen zwi-schen Patriziern und Plebejern aufgehoben wurde, daß sieAnteil am Staatsland und Zutritt zu den Ämtern erhielten.Aber bei dem zähen Charakter der Römer ging das nurlangsam, Schritt für Schritt. Jedes Zugeständnis mußte denPatriziern in hartnäckigen Kämpfen abgerungen werden. Es