Ihr Gewand, das aus Linnen und Mäusepelzen verfertigtwar, legten sie nie ab, bis es ihnen in Lumpen vom Leibefiel. Mit ihren häßlichen, aber ausdauernden Pferden warensie wie verwachsen. Sie aßen, tranken und schliefen aufihnen; selbst hei Versammlungen und Beratungen stiegensie nicht ah. Niemand berührte bei ihnen den Pflug, nochbauten sie Hütten. Ihre Weiber und Kinder führten sie aufKarren mit sich, die mit Fellen überzogen waren. Im Kampfewaren sie wegen ihrer Gewandtheit und Schnelligkeit äußerstgefährliche Feinde. Wie der Sturmwind flogen sie auf ihrenPferden herbei; zuweilen flohen sie absichtlich und zerstreutensich, um im nächsten Augenblick wieder gesammelt heran-zujagen und unter den Gegnern unerwartet ein Blutbad an-zurichten. So erlagen ihnen selbst die tapfersten Völker.
6. Alarich der Westgote (f 410 n. Chr.). — Alsdie Hunnen nach Europa vordrangen, stießen sie zunächstauf die Goten, einen großen Germanenstamm, der von denUfern der Ostsee an das schwarze Meer gewandert war undsich dort in zwei Hälften, in Ost- und Westgoten ge-teilt hatte. Die Ostgoten unterwarfen sich den Hunnen undschlossen sich ihren Zügen an. Die Westgoten aber flüchtetenmit Erlaubnis der Römer übel' die untere Donau. Die ent- 376 n. Chr.mutigten Germanen begehrten nichts anderes, als friedlicheUntertanen des Kaisers sein zu dürfen; allein die Schurkereider Beamten, die das für ihre Verpflegung bestimmte Geldin die Tasche steckten und ihre Schutzbefohlenen verhungernließen, trieb sie zum Aufstand. Raubend und mordend durch-zogen die Westgoten die Balkanhalbinsel und zerschmettertendie Heere, die ihnen die Römer entgegenstellten. So lerntensie ihre Kraft kennen und die „römischen Memmen“ verachten.
Mit Mühe gelang es Theodosius dem Großen, sie für eineWeile zu besänftigen und in seinem Dienste zu verwenden.
Als dieser letzte tüchtige Kaiser tot war, da wollten dieWestgoten nicht länger Knechte sein, wo sie Herren seinkonnten. Sie wählten einen tapferen Krieger, namensAlarich, zu ihrem König und streiften plündernd und ver-