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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
Entstehung
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139
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13 !)

Als sich einmal herausstellte, daß die Knaben von geringerHerkunft fleißig gearbeitet hatten, während die Vornehmenträge gewesen waren, hieß er jene zu seiner Rechten treten,lobte sie und verhieß ihnen eine ehrenvolle Zukunft. DaraufAvandte er sich an die Faulen zu seiner Linken und stießmit heftigem Unwillen die Worte aus: „Ihr Hochgebornen,ihr zierlichen und hübschen Herrchen, die ihr euch verlaßtauf eure Abkunft und euern Reichtum! Beim Herrn desHimmels! Ich gebe nicht viel auf euren Adel und euerhübsches Aussehen! Seid dessen versichert: Wenn ihr nichteiligst eure Nachlässigkeit mit aller Anstrengung wieder gutmacht, so habt ihr von Karl nichts Gutes zu erwarten! “ —Damals fanden sich gebildete Männer fast nur unter derGeistlichkeit. Deshalb, wie aus frommem Sinn wandte Karldieser seine besondere Gunst zu und nahm aus ihr vorzüg-lich seine Ratgeber und Mitarbeiter. Um für den Unterhaltder Geistlichen und der Armen zu sorgen, verordnete er, daßjedermann den zehnten Teil des Ertrages seiner Güter andie Kirche abgeben solle. Bei aller Ergebenheit gegen denPapst in Rom betrachtete sich der Kaiser als das eigentlicheOberhaupt der Kirche. Er ernannte Bischöfe und Abte, beriefKirchenversammlungen und erließ Vorschriften für die Geist-lichkeit, alles nach seinem Gutdünken.

6. Karls Persönlichkeit. — Schon das Äußere desgroßen Herrschers flößte Ehrfurcht ein. Von hochragendem,kraftvollem Wuchs, besaß er ein wohlgeformtes, freundlichesAntlitz, große, klare Augen und im Alter schöne weißeHaare; nur Avollte seine helle Stimme zu der mächtigenGestalt nicht recht passen. An gewöhnlichen Tagen unter-schied sich seine Kleidung wenig von der gemeinen Volks-tracht; bei festlichen Gelegenheiten dagegen schritt er ingolddurchwirktem Gewände, mit einem aus Gold und Edel-steinen besetzten Stirnband und einem mit Edelsteinen ver-zierten Schwert einher. In Speis und Trank war er sehrmäßig; die Trunkenheit verabscheute er an jedermann, ge-schweige an sich und den Seinigen. Im Reiten und Jagen