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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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tat es ihm keiner zuvor. Bis ins hohe Alter kannte er keineKrankheit trotz seiner rastlosen Emsigkeit. Keine Minuteverfloß ihm unbenutzt. Oft stand er des Nachts auf, um zuarbeiten. Beim Ankleiden besprach er sich mit seinen Ver-trauten über Staatsgeschäfte; während der Mahlzeit ließ ersich vorlesen oder hörte Musik. In der Jugend hatte ihmdas Waffenhandwerk nicht viel Zeit zur Bildung gelassen,nicht einmal schreiben hatte er gelernt; aber als Mann holteer das Versäumte nach. Im Umgang mit Alkuin und andernGelehrten eignete er sich alle Kenntnisse seiner Zeit an,sprach fertig Lateinisch und verstand Griechisch. Reichund sicher floß ihm die Rede vom Munde. Obschon dasLateinische noch immer die allgemeine Schriftsprache war,so widmete er doch seiner Muttersprache, dem Deutschen,besondere Aufmerksamkeit. Er versuchte selber eine deutscheGrammatik abzufassen, gab den Monaten und Winden deutscheNamen und ließ die alten Heldenlieder, die im Munde desVolkes lebten, sammeln und aufzeichnen.

7. Karls Ende (814 n. Chr.). — Der Ruhm des großenHerrschers drang selbst in weite Ferne. Der Kaiser vonKonstantinopel anerkannte ihn als Mitkaiser, und der Herrdes Morgenlandes, der Chalif Harun al Raschid, der zuBagdad am Tigris in märchenhafter Pracht Hof hielt, sandteihm einen Elefanten nebst andern Geschenken nach Aachen.Karl erwiderte die Aufmerksamkeit, indem er schöne Pferdeund Jagdhunde nach Bagdad schickte. So von nah und

841 fern geehrt und gefürchtet, starb er im 72. Lebensjahre zuAachen und wurde in dem von ihm daselbst erbauten Domebeigesetzt.

8. Teilung des Reiches durch den Vertrag zuVerdun (848 n. Chr.). Ende der Karolinger. — KarlsNachfolger waren ihm sehr unähnlich. Sein Sohn, Ludwigder Fromme, besaß mehr die Tugenden eines Mönches,als die eines Herrschers. Schon bei seinen Lebzeiten strittensich seine Söhne um das künftige Erbe und führten blutigeBürgerkriege unter sich und gegen den unglücklichen Vater,