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Lande auch sonst Wunderdinge aller Art erzählt wurden.Da sollte es Städte mit silbernen Mauern und vergoldetenPalästen geben, in manchen Gegenden, in Japan z. B., Goldund Edelgestein haufenweis umherliegen.
2. Heinrich der Seefahrer (f 1460). BartholomäusDias (1487). — Der Erfüllung dieses Wunsches stand jedochdie plumpe Masse des Erdteils Afrika entgegen, der, ab-gesehen von seinen mittelländischen Gestaden, noch völligunbekannt war. Kein europäisches Schiff war an der afri-kanischen Westküste über die Grenzen Marokkos hinaus-gekommen. Der tote Strand der Wüste Sahara mit seinengefährlichen Sandbänken schreckte von allem weitern Vor-dringen ab. Überdies galt es von alters her als eine un-umstößliche Wahrheit, daß die senkrechten Sonnenstrahlenalles Leben versengten und daß deshalb die Zone zwischenden Wendekreisen unbewohnbar sei. Man glaubte sogar, dasMeer fange gegen den Äquator hin an zu sieden oder seiso salzig, daß ein Schiff die dickflüssige Masse nicht mehrzu spalten vermöge. Zu den wenigen, die sich durch solcheVorurteile nicht einschüchtern ließen, gehörte der portugie-sische Prinz Heinrich, ein hochsinniger Mann, der es sichzur Lebensaufgabe machte, die Küsten des so nahen und1415 doch so geheimnisvollen Erdteils zu erforschen. Er hattedabei mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Obgleich derKompaß*) schon zur Zeit der Kreuzzüge in Europa be-kannt war und man in ihm ein sicheres Mittel besaß, aufoffener See die Himmelsrichtungen jederzeit zu erkennen,so waren doch die Portugiesen anfänglich so furchtsameSeeleute, daß die von Prinz Heinrich ausgesandten Schiffernicht wagten, die Küste aus den Augen zu verlieren, undbei jedem Hindernis erschreckt umkehrten. Endlich wurdensie mutiger. Strecke um Strecke der Küste Afrikas wurdeentdeckt. Man kam in bewohnte Gegenden, der Tausch-
*) Der Kompaß scheint, wie das Schießpulver, eine Erfindung derChinesen und durch Vermittlung der Araber nach Europa gekommen
zu sein.