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C. Geschichte der Neuzeit.
(1492 bis zur Gegenwart.)
T. Das Zeitalter der Entdeckungenimd der Reformation.
§ 36. Die Entdeckung des Seeweges nach Indien durchdie Portugiesen.
1. Das Wunderland Indien. — Nicht bloß inEuropa und den benachbarten Ländern am Mittelmeere, auchim fernen Osten Asiens gab es seit uralter Zeit große ge-sittete Völker, von denen jedoch die Europäer bloß durchHörensagen wußten. Nur wenige kühne Reisende warenüber Land bis in jene Gegenden gedrungen, die man imAbendlande insgesamt, mit Einschluß von China und Japan,mit dem Namen Indien bezeichnete. Dagegen waren diewertvollen Erzeugnisse Ostasiens, Pfeifer, Zimmet und andereGewürze, Räucherwerk, edle Hölzer, Perlen, Edelsteine.Elfenbein u. dergl., wohl bekannt und hochgeschätzt. DieseWaren gelangten auf verschiedenen Wegen zu Land undzu Wasser in die Hafenstädte Ägyptens, Syriens, Kleinasiensund des Schwarzen Meeres, wo sie dann vornehmlich vonden Venetianern und Genuesen abgeholt und ins Abendlandgebracht wurden. Man wußte aber auch, daß sie, nachdemsie durch so viel Hände gegangen und auf dem Durchpaßdurch die verschiedenen Länder mit hohen Zöllen belegtworden waren, drei- und fünfmal so hoch bezahlt werdenmußten, wie im Ursprungsland. Daher war unter den Handels-völkern Europas längst die Sehnsucht rege geworden, einendirekten Seeweg nach Indien aufzufinden, von welchem