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6. Luther auf dem Reichstag zu Worms (1521).— Kurfürst Friedrich lehnte das Ansinnen der päpstlichenGesandten, ihnen Luther auszuliefern, beharrlich ab. Dawandten sie sich an Kaiser Karl V., den Enkel und Nach-folger Maximilians, der eben zu seinem Regierungsantritteinen Reichstag nach Worms einberief. Dem jungen 1Kaiser fehlte es nicht am guten Willen, den gefährlichenKetzer dem Feuertode zu überliefern. Allein die Mehrheitder Fürsten war mit Friedrich dem Weisen der Ansicht,man dürfe Luther nicht ungehört verdammen, und setzte esdurch, daß er unter Zusicherung freien Geleites nach Wormsbeschieden wurde. Von einem kaiserlichen Herold geleitet,fuhr er zu Wagen durch die Lande. Überall strömte das Volkzusammen, um den tapfern Mönch zu sehen, der gewagthatte, dem Papst nach der Krone zu langen. Seinen Freunden,die besorgten, es möchte ihm gehen, wie Hus, erwiderteer, „er wolle gen Worms, wenn gleich so viel Teufeldrinnen wären, als Ziegel auf den Dächern“. Als er zumerstenmal vor die glänzende Versammlung trat, war er etwasschüchtern und bat um Bedenkzeit. Aber tags darauf waralle Befangenheit von ihm verschwunden, und er verteidigteseine Schriften mit unerschrockenem Freimute. Als man ihmdas Wort abschnitt und eine bündige Antwort von ihm ver-langte, ob er seine Irrlehren widerrufen wolle oder nicht,da sprach er: „So will ich denn eine Antwort geben, dieweder Hörner noch Zähne hat: Es sei denn, daß ich durchZeugnisse der Heiligen Schrift oder durch helle Gründe über-wunden werde, — denn ich glaube weder dem Papst nochden Konzilien allein, dieweil am Tage liegt, daß sie öftersgeirrt und sich selbst widersprochen haben, — so kann undwill ich nichts widerrufen, weil es weder sicher noch geratenist, etwas wider das Gewissen zu tun. Ich kann nicht anders,hier stehe ich. Gott helfe mir. Amen!“ Diese todesmutigeÜberzeugungstreue machte bei Freund und Feind großenEindruck. Kurfürst Friedrich war stolz auf seinen DoktorMartin, und der junge Landgraf Philipp von Hessen stattete