— 209
durch die Gewalt seiner Predigt den Unordnungen ein Endeund nahm nun das Reformationswerk in die eigene Hand.
8. Sickingen und Hutten (1523). — Nicht nur konnteder von Kaiser und Papst geächtete und gebannte Mönchvon jetzt an in Wittenberg unangefochten wirken, die vonihm angefachte Bewegung griff immer gewaltiger um sich.Luther war der Held des deutschen Volkes geworden. „InDeutschland schreien selbst die Steine und Bäume Luther,“schrieb ein päpstlicher Gesandter voller Schrecken nachRom. Allerorten traten Geistliche und Laien, Gelehrte undUngelehrte auf, die in seinem Sinne lehrten und predigten.Und wo die Prediger nicht hinkamen, dahin drangen diezahllosen Erzeugnisse der Druckerpresse, die jetzt zum ersten-mal ihre ganze Macht entfaltete. Mönche und Nonnen ver-ließen die Klöster, Priester traten in die Ehe, und allerGehorsam gegen Papst und Bischöfe hörte auf. Ein Teil derdeutschen Fürsten ließ nach dem Beispiel Friedrichs desWeisen der Bewegung freien Lauf. Andere, namentlich diegeistlichen, suchten sie dagegen nach dem Vorgang desKaisers, der in seinen Erblanden mit Feuer und Schwertdagegen wütete, mit Gewalt zu ersticken. Die Folge war,daß unter den kampflustigen Freunden der neuen Lehreder Plan reifte, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Längsthatte der streitbare Ulrich von Hutten seinen FreundFranz von Sickingen, der manche Burgen und großenAnhang unter dem Ritterstande besaß, aufgefordert, dasSchwert gegen die Römlinge zu ziehen. Jetzt schlug Sickingenlos. Seine Absicht war, die geistlichen Fürsten in Deutsch-land zu stürzen und dadurch dem Evangelium eine Gasse zumachen. Aber seine Schilderhebung mißlang. Die Fürstenhielten zusammen, ihr Geschütz zerschmetterte SickingensBurgen, und er selbst fiel, von einer Kugel tödlich verwundet.Ulrich von Hutten floh geächtet und krank in die Schweiz,wo der edle Zwingli sich seiner annahm. Im Alter von35 Jahren starb der ritterliche Kämpfer für Freiheit undVaterland auf der Insel Ufenau im Zürichsee, indem er nichtsals eine Feder hinterließ.
Oeehsii, Allgemeine Geschichte.
14