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Karl V. war nicht stark genug, um diesem Bunde der deutschenProtestanten mit seinem alten Feinde die Spitze zu bieten.
Er mußte sich wohl oder übel dazu entschließen, die ge-fangenen Fürsten ledig zu lassen und auf seinen Lieblings-wunsch, die Ausrottung der neuen Lehre, zu verzichten. Aufeinem Reichstag zu Augsburg schloß sein Bruder Ferdinandmit den Protestanten einen ewigen Religionsfrieden, 1555der ihnen gleiche Rechte mit den Katholiken gewährte. Frei-lich galt diese Religionsfreiheit eigentlich nur für die Landes-herren, die ihre Untertanen nach ihrem Belieben zur Annahmedes einen oder andern Bekenntnisses zwingen konnten.
5. Karls V. Abdankung und Tod (1558). — Um-sonst hatte sich inzwischen der Kaiser bemüht, den Franzosenihre Beute wieder zu entreißen. Bei einer Belagerung vonMetz verlor er den Drittel seines Heeres, ohne etwas aus-zurichten. Dies Mißgeschick nach so glänzenden Erfolgen,sowie zunehmende Kränklichkeit bewogen ihn, zum Erstaunender Zeitgenossen seine Kronen freiwillig niederzulegen. Die 1556Kaiserwürde ging auf seinen Bruder Ferdin and über, demer längst die Regierung der österreichischen Erblandeüberlassen hatte und der auch von den Böhmen und Un-garn, soweit diese nicht unter türkische Herrschaft geratenwaren, zum Könige gewählt worden war. Spanien, dieNiederlande, Mailand, Neapel und die Neue Welttrat Karl seinem Sohne Philipp II. ab. So teilte sich dasHaus Habsburg fortan in eine spanische und eine öster-reichische Linie. Nach der Abdankung zog sich der Kaisernach Spanien auf ein Landhaus zurück, das er sich nebendem einsamen Kloster Juste hatte erbauen lassen, und ver-brachte hier die letzten zwei Jahre seines Lebens in behaglicher t 15583fuße und eifriger Bezeugung seiner katholischen Frömmigkeit.
§ 40. Zwingli und Calvin.
1. Ulrich Zwingli in Zürich (1519—1531). —Gleichzeitig mit Luther, aber unabhängig von ihm, war in