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Ziele. Jeder beharrte auf seiner Überzeugung. WährendZwingli der Ansicht war, daß man sich trotz dieser Mei-nungsverschiedenheit doch als Brüder in Christo betrachtensollte, stieß Luther die Hand, die er ihm unter Tränen zurVersöhnung bot, zurück und erklärte, ihm nur die Liebe er-weisen zu können, die man auch dem Feinde schuldig sei.
So spalteten sich die Protestanten in Lutheraner undin Reformierte, wie sich die Anhänger Zwinglis nannten.Zwinglis Lehre breitete sich auch in der übrigen Schweizaus, und durch den Übertritt Berns, des mächtigsten Kan-tons der Eidgenossenschaft, der eine Reihe anderer nach 1258sich zog, schien der Sieg der Reformation entschieden. Abereine Anzahl Kantone, insbesondere die fünf inneren Orte,Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, hielten eifrigam alten Glauben fest. Die gegenseitige Erbitterung steigertesich 1531 bis zum Bürgerkrieg. Die fünf Orte kamen Zürichmit dem Angriff zuvor und zermalmten das kleine Heer, dasihnen die Stadt in der Eile entgegenwarf, in der Schlachtbei Kappel. Unter den zahlreichen Gefallenen befand sich 1531Zwingli selber, der als Feldprediger seine Mitbürger in denKampf begleitet hatte und in ihren vordersten Reihen alsHeld für seine Überzeugung starb. Die Niederlage der Re-formierten setzte dem weitern Vordringen ihrer Lehre in derSchweiz ein Ziel. Die religiöse Spaltung der Eidgenossen-schaft war damit unwiderruflich besiegelt, und der vordemso kraftstrotzende Bund führte fortan in endlosem Glaubens-hader ein klägliches Dasein.
2. CalvininGenf (1536—1564). — Die durch ZwinglisTod verwaiste reformierte Kirche erhielt ein neues Haupt inJohannes Calvin, einem geborenen Franzosen, der vorden Ketzerverfolgungen seiner Heimat in Genf eine Zu- 1536fluchtsstätte fand. Dank seiner hinreißenden Beredsamkeitund eisernen Willenskraft wurde er der allmächtige Lenkerder kleinen Republik und drückte ihr durch die strengenGesetze, die unter seinem Einfluß erlassen wurden, für Jahr-hunderte das Gepräge seines Geistes auf. Zugleich schwang