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24. Aug.1572
den ahnungslosen Hugenotten, was ihnen bevorstand. NachMitternacht ertönten die Sturmglocken, und die Mörder, dieals Erkennungszeichen eine weiße Binde um den Arm undein weißes Kreuz am Hute trugen, stürzten sich r auf ihreSchlachtopfer. Eine bewaffnete Bande drang in das HausColignys. „Bist du der Admiral?“ schrie ihm einer zu. „Ichbin es“, erwiderte Coligny ruhig. „Du solltest, junger Mann,mehr Achtung vor meinem grauen Haupte haben!“ Dannstachen ihn die Wütenden nieder und warfen den Sterben-den zum Fenster hinunter auf die Straße. Unterdessen hattedas Würgen in der ganzen Stadt begonnen. Zahlreiche Hu-genotten, die das Getöse auf die Straßen scheuchte, wurdendort erdolcht oder durch Schüsse getötet, andere wurdenin den Häusern aufgesucht und niedergemacht. WederFrauen noch Kinder fanden Schonung. Selbst das königlicheSchloß wurde der Schauplatz blutiger Greuelszenen. Heinrichvon Bourbon, der Schwager des Königs, wurde unter derBedingung, daß er zur katholischen Kirche zurückkehre, ver-schont ; aber das Blut seiner Edelleute bespritzte sein Lager.Um das Maß ihrer Verruchtheit voll zu machen, durch-wanderte Katharina am Tage mit ihren Hofdamen die Straßenund weidete sich am Anblick der Leichen. Mehrere Tagedauerte das Morden und wiederholte sich auf die Befehledes Königs im ganzen Reiche. Nach den geringsten Angabenbetrug die Zahl der Opfer in Paris 2000, im ganzen Lande30,000. Wie ein Donnerschlag widerhallte die Nachricht vonder „Bartholomäusnacht“ in Europa. Während selbst Katho-liken die gräßliche Tat mißbilligten, veranstaltete PapstGregor XIII. zu Ehren derselben öffentliche Dankfeiern undließ eine Denkmünze schlagen mit der Aufschrift: Nieder-metzelung der Hugenotten. Philipp II. von Spanien aberlachte, wie man sagt, das erste Mal in seinem Leben.
3. Heinrich IV. (1589—1610). — Die Hugenottenwaren aber trotz des furchtbaren Schlages nicht vernichtet.Diejenigen, die dem Gemetzel entrannen, sammelten sich hinterden festen Wällen einiger Städte, die dem Protestantismus