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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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239
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er zu einem neuen großen Kampfe gegen das Haus Habs-burg, das er in Deutschland, Italien und Spanien zugleichangreifen wollte. Da trat der Dolchstoß eines Mördersdazwischen. Als Heinrich IV. eine Spazierfahrt durch Parismachte und der Wagen zufällig still hielt, sprang ein Menschauf das Rad und versetzte dem König zwei tödliche Stiche. 1610Der Täter ließ sich ruhig gefangen nehmen. Er hießFranz Ravaillac und gestand, er habe den König einzigdeshalb ermordet, weil er die Ketzer beschützt habe. Sobereitete die finstere Macht des Glaubenshasses demjenigenFürsten ein vorzeitiges Ende, der zuerst nicht für den Siegdes einen Odern andern Bekenntnisses, sondern für denliöhernder gegenseitigen Duldung, der Glaubens- und Gewissens-freiheit gestritten hatte.

4} 45. Der dreißigjährige Krieg.

1. Der Aufstand in Böhmen (161820). Derletzte und furchtbarste Religionskampf in Europa war derdreißigjährige Krieg, der ganz Deutschland mit Todund Verwüstung erfüllte. Seinen Anfang nahm er inBöhmen, dem Vaterland des Märtyrers Hus, wo die großeMehrheit des Adels und Volkes der evangelischen Lehre zu-gefallen war. Obgleich die Böhmen in einer Urkunde, demMajestätsbrief- 1 , die feierliche Zusicherung der Religions-freiheit erhalten hatten, erlitten sie von ihren habsburgischenHerrschern mancherlei Bedrückungen. Kirchen, die Pro-testanten erbauten, wurden geschlossen, protestantischenDörfern katholische Pfarrer vorgesetzt und alle Klagen inWien schroff abgewiesen. Am schlimmsten wurde die reli-giöse Verfolgung, als Ferdinand II. den Thron bestieg,ein Zögling der Jesuiten, der einst auf einer Wallfahrt dasGelübde abgelegt hatte, wenn er zur Regierung komme,werde er die Ketzer aus seinen Landen vertreiben, und solltendiese darob zur Wüste werden. Zuletzt ging den Böhmenüber den beständigen Quälereien die Geduld aus. Als der