Buch 
Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
372
JPEG-Download
 

372

im Interesse der Wissenschaft mutig den Kampf mit denfurchtbaren Gefahren der Eiswüste aufnahmen, so ließen sichandere weder durch die mörderischen Fieberlüfte, noch durchdie Grausamkeit der Menschen vor dem Eindringen in dasheiße Afrika absclireckeu. Durch eine Reihe kühner Rei-sender verschiedener Nationen, unter denen der britischeMissionär Livingstone und der Amerikaner Stanley dasWunderbarste geleistet haben, ist das vor 100 Jahren nochganz unbekannte Innere des „dunkeln Erdteils“ erschlossenworden. Nach den Forschungsreisenden erschienen aber dieeuropäischen Kaufleute und Soldaten, um von den neuent-deckten Ländern Besitz zu ergreifen. Heute ist die Teilungdes Erdteils Afrika unter die europäischen Mächte so gutwie vollzogen.

6. Weltverkehr. — Mehr und mehr umschließt derWeltverkehr die Völker wie ein einigendes Band. Wie einstdie Stämme der alten Griechen, so halten jetzt die Nationender ganzen Erde ihre gemeinsamen Wettkämpfe und Festeab. Es sind das die Weltausstellungen (1851 in London,1867 in Paris, 1878 in Wien, 1876 in Philadelphia. 1878 inParis, 1881 in Melbourne, 1889 in Paris, 1893 in Chicago,1900 in Paris, 1903 in St. Louis), auf denen sie sich gegen-seitig in Werken des Friedens zu überbieten suchen. DieBedürfnisse des Verkehres haben die Nationen veranlaßt,eine Reihe gemeinsamer Einrichtungen zur Erleichterungdesselben ins Leben zu rufen, so insbesondere den 1874 zu1874 Bern gegründeten Weltpostverein, dem fast alle Staatendes Erdballs beigetreten sind. Immer mächtiger bricht sich dieErkenntnis Bahn, daß die Völker Besseres zu tun haben,als sich gegenseitig im Kriege zu morden und zu berauben.Wenn trotzdem das Faustrecht noch immer in letzter Liniezwischen den Staaten entscheidet und wir von einem allge-meinen Weltfrieden und Weltenglück noch weit entfernt sind,so gibt uns doch das schon Erreichte die tröstliche Hoffnung,daß ein Fortschritt zum Bessern in der Menschheit bestehtund ihr Ringen nach Vervollkommnung kein vergebliches ist.