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Der erste, Tiberius (14—37), ein hochbegabter Regent und vorzüg-licher Verwaltungsmann, erlag infolge bitterer Jugendersahrungen undwidriger Hofintrigen mehr und mehr dem Verfolgungswahn und schicktespäter Unzählige, namentlich aus den vornehmen Familien Roms,wegen „Majestätsbeleidigung" aufs Blutgerüst. Als gar sein vertrau-tester Helfer, der Gardekommandant Sei an, eine Verschwörung an-stiftete, zog er sich ganz von der Welt zurück und starb fast achtzig-jährig voll Menschenhaß in Kampanien. In der Außenpolitik war ihmnicht an Neueroberungen, sondern einzig an der Erhaltung des Be-stehenden gelegen.
Ihm folgte Gaius, den man besser unter dem Übernamen Cali-gula (Soldatenstiefelchen) kennt (37—4k). Ein sittlich verkommenerMensch, suchte er anfangs mit allen Mitteln die Gunst der Untertanenzu erkaufen, kehrte aber bald seine wahre Natur hervor und wurde voneinigen Offizieren der Leibwache niedergestoßen Aus die Entwicklungdes Reiches blieb diese Null ohne Einfluß.
Sein Onkel Claudius, der jetzt Kaiser wurde (41—7>4), hattesich zwar bisher mehr mit gelehrten Liebhabereien als mit Politik be-schäftigt, führte aber trotzdem eine tüchtige Regierung und war durch-aus aus das Wohl der Gesamtheit bedacht. Ihm gebührt der Ruhm,Britannien und Marokko zu Provinzen gemacht zu haben, und um dieRomanisierung der Untertanenlünder, zumal Galliens, hat er sich nichtgeringe Verdienste erworben. Die Verbesserung des Gerichtswesens be-trieb er mit Leidenschaft. Ihm verdanktdieHanptstadtjene kühneWasser-leitnng, deren Bogen jetzt noch den schönsten Schmuck der Campagnabilden. Leider bewies dieser Mann den Höflingen und Weibern gegen-über zuwenig Rückgrat. Seine erste Frau, Messalin a, war eine niedrigeDirne, die zweite, Agrippina, vergiftete ihn, sobald er ihren erstenSohn aus früherer Ehe adoptiert und als Thronerben bezeichnet hatte.
Der Kronprinz hieß Nero. Er teilte zunächst die Regierung(54 -68) mit seiner Mutter Agrippina. Da aber wirklicher Lenker desStaates der auch als Philosoph und Dichter bekannte Seneca, NerosLehrer, war, erfreute sich Rom einiger Jahre ungetrübten Glückes undGedeihens. Mit einem Schlag jedoch enthüllte der junge Kaiser seinebrutalen Anlagen, als er das Gefühl bekam, in seiner Stellung beengtoder bedroht zu sein. Jeder Maßstab ging ihm plötzlich verloren. Ermordete Stiefbruder, Mutter, Gattin, Lehrer und tausend andere.
> Quellenbuch Fl. u. G. I, No. 45: Cäsarenwahn (nach Sueton).