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Das Leben schien keinen Wert mehr zu haben; die edelsten Römer gabensich den Tod, sogar wenn sie noch nichts von dem Despoten zu fürchtenhatten. Als im Jahre 64 eine Feuersbrunst fast die ganze Hauptstadtverzehrte und unzählige Menschenopfer verlangte, hielt jedermann Nerofür den Brandstifter Jndessen schob dieser die Schuld auf die Christen,deren Name hier erstmals in der römischen Überlieferung auftauchtals einer Menschensorte angehörend, „welche einem neuen und bös-artigen Wahnglauben huldigt". Mit ausgesuchter Grausamkeit schritter gegen sie ein 2 . Lächerlich wirkte er auch durch sein Auftreten alsTingeltangelkünstler und durch eine unsinnige Bauwut. Der Finanz-not, die darob entstand, sollte mit einer künstlichen, jeden Kredit unter-grabenden Münzverschlechterung abgeholfen werden. Zuletzt empörtesich neben andern der Statthalter Spaniens, Galba, gegen das Scheu-sal und wurde von seinen Legionen zum Kaiser ausgerufen. Als auchdie Prätorianer in Rom von Nero abfielen, ließ sich dieser von einemSklaven töten. Mit ihm erlosch das Kaiserhans des Augustus. Kaumsahen aber die Soldaten, daß sie die wahren Herren des Reichesseien, so erhoben andere Truppen andere Befehlshaber, und in zwei-jährigem Bürgerkrieg wurde Galba von einem Otho, dieser von einemVitellius gestürzt; auch der letzte erlag dem im Oriente zum Herr-scher ausgerufenen Flavius Vespasianus, welcher sich endlich aufdem Throne behauptete.
2. Die Flavier (69—96). — Vespasian (69—79), ein schonälterer Mann, stellte mit viel Geschick und kräftiger Hand die Ordnungwieder her, indem er namentlich das während des Dreikaiserjahresaus Rand und Band geratene Militär an strenge Mannszucht gewöhnteund durch größte Sparsamkeit im Privatleben wie im Staatshaushaltedie Finanzlage verbesserte. Unter seinen Bauwerken, zu denen dasGeld doch noch reichte, ist am berühmtesten das heute als mächtigeRuine dastehende slavische Amphitheater oder Kolosseum, das über40000 Zuschauer faßte. Die Unruhen des Jahres 69 hatten anmehreren Punkten der ausgedehnten Reichsgrenze zu Aufständen ver-lockt, sodaß beispielsweise die Rheinlande höchste Aufmerksamkeit er-. forderten. Die Beendigung des jüdischen Krieges, welchen Vespasianvor der Thronbesteigung eingeleitet hatte, übernahm sein Sohn Titus;Jerusalem ward vollständig zerstört (Band II, S. 8), und von dem
> Quellenbuch Fl. u. G. I. No. 47: Der Brand Noms zur Zeit Neros (nach Tacitus).^ Im Zusammenhang schildert das Urchristentum Abschnitt L I des II. Bandes.