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Bekehrung ohne Scheu die entsetzlichsten Freveltaten. Um Allein-herrscher der Franken zu werden, brachte er durch Verrat und Hinter-list alle seine Nebenkönige samt ihren Angehörigen um, darunter seineeigenen Verwandten. Was müssen wir vollends von jener Zeit halten,wenn ein frommer Bischof uns alle diese Mordtaten ausführlich er-zählt und dazu bemerkt: „So fällte Gott täglich seine Feinde, darumdaß er rechten Herzens vor ihm wandelte und tat, was ihm wohlgefiel!"
2. Verfall der Merovinger, die Hausmeier (6. und 7.Jahrhundert). — Chlodwigs Söhne teilten die Herrschaft untersich und schritten im übrigen auf der Bahn des Vaters fort. Sie voll-endeten die Umwandlung Galliens in einFrankenreich, indem sieauch die Burgunder unterwarfen (534). In Deutschland bezwängensie die Thüringer, und die Bayern unterwarfen sich ihnen frei-willig. Schon konnten die merovingischen Könige dem Kaiser zuKonstantinopel mit einem Angriff zu Lande drohen. Aber daraus,daß sie das Reich wie ein Privatgut unter sich teilten, entsprangenunaufhörliche Bruderkriege, welche Königsgeschlecht und Volk demUntergänge nahe brachten und eine Zeit entsetzlicher Verwilderungim Gefolge hatten. „Da ging in der Roheit des Franken unter, wasder Gallier noch an Bildung bewahrt, und in der Verdorbenheit desGalliers, was der Franke Gutartiges mitgebracht hatte." Meineid,Hinterlist, Verwandtenmord wurden alltägliche Dinge. Den Höhe-punkt erreichten diese Greuel durch zwei Königinnen, Brunhildeund Fredegunde, die einander mit wütendem Hasse verfolgten.Fredegunde, ein grauenvolles Weib, das vor keinem Verbrechenzurückschreckte, hauste derart mit Gift und Mordstahl unter den Mero-vingern, daß der letzte Erwachsene des Geschlechts die Franken zu Parisin der Kirche feierlich schwören ließ, weder ihn noch seinen Neffenzu ermorden, damit das KSnigshaus nicht ganz aussterbe. Auch ihreTodfeindin, die ursprünglich edler geartete Brunhilde, ihrer Herkunftnach eine Westgotin, verstrickte sich immer tiefer in Gewalttat und Frevel,bis sie zuletzt vom Sohne Fredegundens, Lothar, gefangen und amSchweife eines wilden Pferdes zu Tode geschleift wurde (613). — DasReich ging über diesen Bürgerkriegen allmählich aus den Fugen; die unter-
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