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6. Das eigentliche Mittelalter.
I. Die Karolinger.
Illühldacher. Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Kaufmann, Teutsche Ge-schichte bis auf Karl den Großen, Bd. II. Umold, Fränkische Zeit. vahn, Die Könige derGermanen, 8. Band. fahl'düchei' der deutschen Geschichte: Li-eifig, Die Zeit Karl Martells:Kahn, Jahrbücher des fränkischen Reichs 741—752; velsner, Jahrbücher des' fränkischenReicks unter König Pippin; b!de!-5imson, Jahrbücher des fränkischen Reichs unter Karl demGroßen, 2 Bde.; 5imson, Jahrbücher des fränkischen Reichs unter Ludwig dem Frommen,2 Bde.; Vümmler, Geschichte des altfränkischen Reiches, 3 Bde. wsih, Deutsche Verfassungs-geschichte, 8 Bde. ^runner, Deutsche Rechtsgeschichte, 2 Bde. 5ohm, Die fränkische Reichs-und Gerichtsverfassung. ketlderg, Kirchengerichte Deutschlands, 2 Bde. lisuck, Kirchen-gerichte Deutschlands, 4 Bde.
1. Bonifacius, der Apostel der Deutschen (f 755). —Noch lange nach Chlodwigs Bekehrung blieb das eigentliche Deutsch-land ostwärts vom Rheins heidnisch, selbst der zum Frankenreiche ge-hörige Teil. Die fränkische Geistlichkeit kümmerte sich nämlich mehrum Anhäufung von Reichtümern, um Jagd und Krieg, als um dieBekehrung der Heiden. Da wurden diebritischen Inseln zu einemHerde des Evangeliums für Deutschland. In Britannien hatte sichzwar das Christentum mit den alten keltischen Bewohnern vor derWut der heidnischen Angelsachsen in das Gebirgsland im Westenflüchten müssen, nach Wales (Welschland). Aber die keltischen Britenbrachten es zu den stammverwandten Iren, und ein reiches, kirchlichesLeben erblühte daselbst in einer Menge von Klöstern. Ein mächtigerEifer, die Seelen der Heiden zu retten, erfüllte die irischen Mönche.Scharenweise zogen sie, seltsam, gekleidet, wie Wilde tätowiert, mitlangen Stöcken bewehrt, aufs Festland hinüber, so Columb an, derdem Evangelium bei den Alamannen am Bodensee Eingang verschaffteund dessen Schüler G allus mit seiner Zelle den Grund zu dem berühm-ten Kloster St. Gallen legte (613). — Um dieselbe Zeit sandte PapstGregorderGroße, gerührt von der Schönheit englischer Jünglinge,die er auf dem Sklavenmarkte in Rom erblickt hatte, Missionäre nachder Insel. Die Angelsachsen, die sich trotzig geweigert hatten, dasChristentum von den verachteten Briten zu empfangen, nahmen es anvom Papste, und bald hatte dieser nirgends glühendere Verehrer alsin England. Jetzt erwachte auch hier der Bekehrnngseifer. Gleich denkeltischen Iren gingen im 8. Jahrh, auch germanische Angelsachsen alsGlaubensboten nach Deutschland hinüber, und einer derselben, Win-