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Goslar, den Lieblingsaufenthalt des Königs, und mit Mühe gelang esdiesem, durch des Waldes Dickicht zu entkommen. Darauf machtensie sich daran, die verhaßten Besten zu brechen; von der prächtigenHarzburg blieb kein Stein auf dem andern, sogar die Kirche wurdezerstört und die Gräber von Heinrichs Bruder und Söhnlein geschändet.Dieser Frevel erregte im übrigen Deutschland die größte Entrüstung.,Heinrich brachte ein starkes Heer zusammen und bereitete den Sachseneine blutige Niederlage. Aber in dem Augenblicke, da dem jungenHerrscher das Glück zu lächeln schien, erstand ihm ein neuer, furcht-barer Feind im Papste.
2. Die Cluniacenser und Gregor VII. (1073—85). —Wieder Staat, war auch die Kirche unter den letzten Karolingern in denschmählichsten Verfall geraten. Unglaubliches wird über die Sitten-losigkeit der Mönche und Geistlichen jedes Standes aus jener Zeiterzählt; von dem traurigen Zustande des Papsttums wurde obengesprochen. Aber in dem französischen Kloster Cluny (unweit MLcon)war ein neuer Geist erwacht. Seine Mönche hatten die vergesseneZucht nach der Regel des heiligen Benediktus wieder zu Ehren ge-bracht; ihrem Beispiele waren eine Reihe anderer Klöster gefolgtund hatten sich Clunys Leitung unterworfen. Es gab eine Zeit,da die Aebte von Cluny über Tausende von Klöstem in Frankreich,Italien und anderwärts geboten und bei Kaisern und Königen imhöchsten Ansehen standen. Aber nicht nur die Herstellung der Kloster-zucht, sondern dieVerbesserung der gesamten Kirche war ihrZiel. Das größte Aergernis, die sittenlosen Päpste, hatte Heinrich III.beseitigt; aber noch lebten eine Menge Priester in der Ehe, was demmönchischen Geiste der Cluniacenser eine arge Unreinheit schien.Noch waren fast alle geistlichen Stellen vom Bistum bis aus die Pfarreihinunter um Geld zu haben, infolge dessen sich Unberufene und Un-würdige aller Art dazu drängten. Diesen beiden Hauptschäden derKirche, der Priesterehe und der Simonie, wie man den Psründen-handel nach dem Zauberer Simon nannte, der den Aposteln die Gabe,Wunder zu tun, hatte um Geld abkaufen wollen, erklärten die An-hänger Clunys den Krieg auf Tod und Leben. Eine dritte Ursache desVerderbens der Kirche erblickten sie in ihrer „Unfreiheit", in ihrer
Oechsli, Bilder II und III. 1. 5