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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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den päpstlich gesinnten Welsen große Feindschaft geherrscht. Jetztentbrannte der Streit aufs neue; denn Konrad III. wollte seineMacht zum Sturze des feindlichen Geschlechts benutzen. Er bezwängdas welfische Städtchen Weinsberg in Schwaben, und eine schöneSage erzählt, er habe dabei den Weibern gestattet, zu retten, wassie tragen könnten, und sei ritterlich genug gewesen, sein Wort zuhalten, auch als sie mit ihren Männern auf dem Rucken herauskamen.Aber im ganzen erreichte Konrad sein Ziel nicht, und ein unglück-licher Kreuzzug schwächte sein Ansehen noch mehr. In der richtigenEinsicht, was dem Reiche not tue, empfahl er sterbend den Fürsten,nicht seinen unmündigen Sohn, sondern seinen erprobten NeffenFriedrich zu seinem Nachfolger zu wählen, der durch seine Muttervon den Welsen abstammte und daher auch am ehesten geeignet schien,dem verderblichen Zwist ein Ende zu machen.

8. Friedrich I. Barbarossa (11521190s. Arnold vonBrescia.Friedrich I., von den Italienern Barbarossa, d. i.Rotbart, genannt, war eine ritterliche hochstrebende Natur undgewillt, seine kaiserlichen Rechte voll und ganz zu üben. Mit kräftigerHand stellte er in Deutschland Ruhe und Ordnung her. Fürsten, diedurch ihre Fehden den Landfrieden brachen, verurteilte er zu der ent-ehrenden Strafe, barfuß vor allem Volke eine Meile weit einen Hundam Halse zu tragen. Ein solcher Herrscher mußte auch darauf bedachtsein, dem Papsttum wieder gebührende Schranken zu setzen. Sonder-barerweise verschmähte er dabei die Unterstützung eines Mannes,der sein wirksamster Bundesgenosse hätte sein können. In Italienwar ein sittenreiner, gelehrter Priester aufgetreten, Arnold vonBrescia, der alles Verderben in der Kirche von ihrem Streben nachäußerer Macht herleitete. Mit feuriger Beredsamkeit ermähnte erPapst, Bischöfe und Geistliche, ihren weltlichen Ehren und Reich-tümern zu entsagen und zur Armut und Einfachheit der apostolischenZeit zurückzukehren. Seine Lehre fand bei den Römern Anklang; sie kün-deten dem Papste den weltlichen Gehorsam und errichteten eineRepublik nach dem Vorbilde der alten römischen mit Senat undKonsuln, an deren Spitze Arnold selber eine Zeit lang stand. Aberbald verflog der kurze Freiheitstraum, der kirchliche Bann beugte