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Tirol. Die vornehmsten Bruchstücke Frankens waren die Pfalzgraf-schast bei Rhein und die Landgrafschaft Hessen. Auf den Trüm-mern Schwabens erhoben sich die Grafen- und Markgrafenhäuservon Habsburg, Württemberg, Hohenzollern, Badenundandere. Niederlothringen war in die verschiedenen Provinzen derNiederlande: Brabant, Luxemburg, Hennegau w. zerfallen.Zwischen diesen weltlichen Gebieten hatten sich ferner zahlreiche g eist -licheFürstentümer gebildet, da die Bischöfe und Erzbischöfe herzog-liche und gräfliche Rechte über mehr oder minder große Gebiete er-halten hatten. — Aber neben den größern Fürstentümem waren nocheine Menge von kleineren Gebieten entstanden, indem auch die altenkarolingischen Gaugrafschaften wieder vielfach zersplittert wordenwaren. Als die Grafenwürde erblich wurde, wahrten sich die Kaiserwenigstens das Recht, einzelne Stücke des Gaues von der Ge-walt des Grafen auszunehmen und frei darüber zu ver-fügen. Vor allem war es die Kirche, die für ihre Besitzungen undAngehörigen nach dieser Befreiung von der gräflichen Gewalt, nachder sogen. Immunität, strebte, und nicht nur die Bischöfe, auch dieÄbte angesehener Klöster erhielten sie regelmäßig und wurden da-durch reichsunmittelbar. Ähnliche Vorrechte wurden den im Gauansässigen Adligen zuteil, die sich deshalb „Freiherren" oder „Reichs-ritter" nannten oder sich sogar den Grafentitel beilegten: der alteGaugraf hieß dann zum Unterschied zu solchen neu entstandenenGrafen Landgraf. Neben den reichsunmittelbaren Herren gab es auchreichsunmittelbare Städte oder Reichsstädte, wie sie schlechtweg ge-nannt wurden, sei es, daß diese auf den kaiserlichen Gütern entstandenwaren, sei es, daß sie ihre bevorzugte Stellung kaiserlichen Freibriefenverdankten; selbst kleinere Landschaften erlangten auf diesem Wegedie „R e i ch s s r e ih e i t", d. h. die Stellung, in welcher sie keinemLandesherr» als dem Kaiser unterworfen waren. Nur vom Kaiser, vomReiche abhängig sein, hieß aber bei der Schwäche des Reichsoberhauptesso ziemlich sein eigener Herr sein. So waren die reichsunmittelbarenÄbte, Freiherren und Ritter selbständige kleine Monarchen, die reichs-freien Städte und Länder aber eigentliche Republiken, die sich selbstregierten. Ein bunteres Ländergewirre, als jetzt die Karte Deutschlands