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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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aus immer nach Westen fahrend, zuletzt an den Ostrand Asiens ge-langen. Wie hätte dieser Gedanke einen Seemann, der in den höchstenNorden und tiefsten Süden der damaligen Schiffahrt gedrungenwar, nicht locken sollen, zumal er das Rätsel des indischen Seeweges,den man seit einem halben Jahrhundert so mühsam den Küsten Afrikasentlang suchte, mit einem Schlage zu lösen versprach! Schon früherhatte der Florentiner Tocsanelli, der berühmteste Geograph derZeit, diese Uebersahrt für leicht ausführbar erklärt. Columbus hörtedavon, trat mit ihm in Briefwechsel und erhielt von ihm eine Karteüber den mutmaßlichen Seeweg, den beide sich glücklicherweise fastum die Hälfte zu kurz dachten, gestützt auf Angaben älterer Gelehrten,welche Asien viel weiter nach Osten reichen ließen, als es in Wahrheitder Fall ist. Jetzt galt es noch, für das große Unternehmen eineRegierung zu gewinnen, welche die nötigen Schiffe und Mannschaftenstellen würde. Zuerst wandte sich Columbus an KönigJohannvon Portu-gal, der aber auf das Gutachten eines seekundigen Rates den Plan als zuunsicher verwarf. Da gedachte der Genuese, ihn dem französischenHose vorzulegen, wurde aber auf der Durchreise veranlaßt, in Spanienzu bleiben und bei der Königin Jsabella anzufragen. Diese zeigtesich nicht abgeneigt und nahm Columbus in ihren Dienst; aber es dauertefünf Jahre, bis sie nach dem Falle Granadas in ernstliche Unterhand-lungen mit ihm trat. Noch drohten diese an den großen Forderungendes Columbus zu scheitern; denn er verlangte als Entdeckerlohn fürsich und seine Nachkommen die Erhebung in den Adelsstand, die Würdeeines atlantischen Admirals und die eines Vizekönigs über alle aufge-fundenen Länder nebst dem Zehnten aller Einkünfte aus denselben.Auf das Drängen einsichtiger Männer, namentlich des SchatzkanzlersSant Angel, entschloß sich endlich die hochherzige Jsabella zu diesenZugeständnissen und würde zur Bestreitung der Ausrüstungskostensogar ihre Juwelen verpfändet haben, weil der Staatsschatz leer war,wenn nicht Sant Angel ihr das nötige Geld aus seinem Vermögenvorgeschossen hätte.

6. Columbus entdeckt Amerika (12. Oktober 1492). Am3. August 1492 war Columbus endlich in den Stand gesetzt, mit dreiSchissen und 120 Mann von Palosin Andalusien abzusegeln. Die