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6. Verbrennung der Bannbulle (10. Dez. 1520). — Froh-lockend eilte Eck nach Rom und erwirkte gegen den „neuen Hussiten"den Bann der Kirche. Aber auch Luther ließ jetzt alle Rücksichtenfallen; schonungslos enthüllte er in Wort und Schrift die Gebrechender Kirche. Mit seiner Stimme vereinte sich diejenige des RittersUlrich von Hütten, der, für Freiheit und Vaterland glühend, inseinen Flugschriften die römische Kurie und ihre Legaten mit Spottund Hohn überschüttete und die deutsche Nation aufforderte, sich dasrömische Natterngezücht vom Halse zu schaffen. Huttens Freund, dermächtige Ritter Franz von Sickingen, bot mit anderen Edelleutendem Wittenberger Mönch Schutz auf seinen Burgen an, was Lutherzu einem „Sendschreiben an den Adel deutscher Nation" veranlaßte,in welchem er mit grimmigem Hasse das ganze bestehende Kirchentumangriff und Fürsten, Adel und Städte aufforderte, ohne Rücksicht aufden in Rom sitzenden „Antichristen" die Kirchenverbesserung an dieHand zu nehmen. Aber auch Kurfürst Friedrich war keineswegs ge-sonnen, seinen berühmten Lehrer preiszugeben, bloß weil er, mit Eras-mus zu reden, „dem Papst an die Krone und den Mönchen an dieBäuche gegriffen". Dadurch ermuntert wagte Luther den kühnenSchritt, die gegen ihn gerichtete, in vielen Exemplaren verbreiteteBannbulle, nebst einer Sammlung päpstlicher Erlasse, im Beisein derProfessoren und Studenten der Hochschule in Wittenberg öffentlich zuverbrennen. Vor zweihundert Jahren hatte ein König die weltlicheHerrschaft des päpstlichen Stuhles gebrochen, indem er dessen Erlasseins Feuer warf; jetzt getraute sich ein armer Mönch, durch dieselbesinnbildliche Handlung auch die geistliche Allmacht Roms zu vernichten.
7. Luther aus dem Reichstage zu Worms (1521). — Dader römische Hof kein anderes Mittel sah, um Luthers habhaft zuwerden, wandte er sich an Kaiser Karl V., Maximilians Enkel undNachfolger, der eben zu seinem Regierungsantritt einen Reichstagnach Worms berufen hatte. Dem jungen Kaiser fehlte es nicht amguten Willen, den Ketzer dem Scheiterhaufen zu überliefern. Alleindie Luther günstig gesinnten Fürsten verlangten, daß man ihn nichtungestört verdamme, und setzten es durch, daß er unter Zusicherungfreien Geleites nach Worms beschieden wurde. Besorgt, es möchte