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unabhängig von jenem, zu ähnlichen Zielen gelangte, Ulrich Zwingli,Pfarrer am Großmünster in Zürich (geboren 1484 zu Wildhaus imToggenburg). Als echten Sohn einer Republik kümmerten diesen aberdie Schäden des Vaterlandes ebensosehr wie der Kirche. Die Bünd-nisse mit den fremden Fürsten, worin die schweizerischen Regierungendiesen das Recht verkauften, nach Belieben im Lande Söldner zuwerben, schienen ihm ein Schandfleck und ein Unglück für die Schweiz.Als Feldprediger in den Mailänderzügen hatte er das wüste Krieger-leben kennen gelernt und mit Recht glaubte er, daß in Bestien ver-wandelte Soldknechte, die sich aus dem Morden und Plündern einHandwerk machten, keine guten Bürger für die Republik abgäben.Daher erklärte er dem Söldnerwesen und dem Geldnehmen der Großenden Krieg auf Leben und Tod von der Kanzel herunter und hattezuletzt die Genugtuung, daß wenigstens Zürich den fremden Bünd-nissen entsagte. Mit der gleichen Entschiedenheit griff Zwingli aberauch die Mißbräuche der Kirche an. Bevor er etwas von Lutherwußte, war er zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Bibel der einzigechte Quell des Christentums sei, und hatte gleich bei seinem Amts-antritt in Zürich (Neujahr 1519) erklärt, er werde das Evangeliumnur nach der Schrift und nicht nach menschlichem Gutdünken predigen.Nachdem er die Gemüter gehörig vorbereitet hatte, schritt er 1522 zupraktischen Reformen und führte diese, da Rat und Volk von Zürichihm günstig gesinnt waren, rasch und sicher zu Ende. Nach wenigJahren war die zürcherische Landeskirche von Bischof und Papstbefreit, Messe, Bilder und Heiligenverehrung, sowie die Beichte, dieLuther noch beibehielt, beseitigt, der Gottesdienst so einfach und volks-tümlich als möglich gestaltet, die Klöster aufgehoben und die Priester-ehe gestattet. Hand in Hand damit wurden Schulen und Spitälererrichtet, umfassende Anstalten für die Versorgung der Armen getroffenund vieles andere neu geordnet, alles unter der Leitung Zwinglis, der,wie seine Gegner spotteten, in Zürich Pfarrer, Bürgermeister, Ratund Schreiber in einer Person war. Überall in der Schweiz regtensich begeisterte Anhänger für ihn. Als er 1528 in einer dreiwöchent-lichen Disputation zu Bern seine Sache siegreich verfochten hatte,trat diese mächtige Stadt zu ihm über, und Berns Beispiel folgten