180 —
und bot, obwohl mit edlem Freimute auf seiner Ansicht beharrend,Luther unter Tränen die Bruderhand; allein dieser stieß sie zurück mitden Worten: „Ihr habt einen andern Geist als wir!" und erklärte,ihm nur die Liebe erweisen zu können, die man auch dem Feinde schuldigsei. So scheiterte die Zusammenkunft; die Zwinglianer blieben vonden Lutheranern getrennt und bildeten als „Reformierte" einebesondere Glaubensgemeinschaft.
3. Zwing!is Tod bei Kappel (1531). — Wie Deutschlandmurde auch die Schweiz durch die Reformation in zwei feindliche Lagerauseinandergerissen. Die einfachen Hirten in den Waldstätten ver-boten zwar den Ablaßhandel, wollten aber von weiteren Neuerungennichts wissen; ihnen schlössen sich von den größeren Städten Luzernund Freiburgan. Mit dem gleichen Eifer, mit welchem die einendie Reformation betrieben, beharrten die andern beim alten Glauben,und nur wenige besaßen den Gleichmut Valentins Tschudis, desPfarrers von Glarus, der in derselben Kirche den Katholiken die Messelas und den Reformierten das Evangelium predigte. Selbst Zwinglihielt zuletzt den Bürgerkrieg für unvermeidlich. Statt jedoch seinemRate gemäß sich mit aller Macht zu rüsten und durch einen raschenSchlag die Sache zur Entscheidung zu bringen, begnügten sich dieReformierten, die katholischen Orte durch eine Getreidesperre auszu-hungern. Zur Verzweiflung getrieben, griffen diese 1531 zu den Waffenund die Zürcher, überrascht, konnten ihnen in der Eile nur ein kleinesHäuflein entgegenstellen, das bei Kappel zermalmt wurde. Unterden zahlreichen Gefallenen befand sich auch Zwingli, der seine Mit-bürger als Feldprediger mutig in die Schlacht begleitet hatte. Einezweite Niederlage amGubel (bei Zug) verbreitete Schrecken und Klein-mut in den Reihen der Evangelischen, und diese gingen trotz ihrer Über-zahl einen demütigenden Frieden ein, der die Reformation zum Still-stand verurteilte und den Grund zu dreihundertjähriger Zwietracht inder Schweiz legte.
4. Calvin in Gens (1536—64). — Zwinglis religiöses Werkfand in dem trefflichen Bullinger, seinem Nachfolger in Zürich, einenvorzüglichen Pfleger. Aber dieser wurde bald durch einen gewaltigerenGeist verdunkelt, welcher der von Zwingli begründeten schweizerischen