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See- und Kolonialmacht wetteiferte, Portugal. Dessen jungerKönig Sebastian, ein schwärmerischer Jesuitenzögling, hatte einenKreuzzug nach Marokko unternommen, dort eine große Schlacht ver-loren und war verschwunden, ohne daß man wußte, wohin und wie.Da er keine Leibeserben hinterließ, maßte sich Philipp, der durch seineMutter mit dem portugiesischen Königshause verwandt war, dasErbrecht an, und als die Portugiesen von ihm nichts wissen wollten,ließ er das Land durch den Herzog von Alba erobern (1580). Jetztging in seinem Reiche die Sonne nicht unter, und Ost- wie Westindienbrachten ihm ihre Schätze dar. Schon hatte er auch eine Zeitlangals Gemahl Marias der Blutigen den Titel eines Königs von Eng-land getragen und suchte sich dauernd in den Besitz der Insel zu setzen,zuerst, indem er um Elisabeths Hand anhielt, dann, als er sich vonihr verschmäht sah, mit den Waffen. Ja er durfte sich schmeicheln,selbst Frankreich an sein Haus zu bringen, da ein wütender Bürger-krieg das Land zerriß und die mächtigste Partei bereit war, es an ihnzu verraten. Und doch ging keine dieser stolzen Hoffnungen in Erfüllung;statt die Weltherrschaft zu gewinnen, mußte Philipp II. es erleben,daß sein eigenes Reich zu zerbröckeln anfing, daß eines seiner schönstenLänder, durch seine Tyrannei zur Verzweiflung getrieben, von ihmabfiel und seine Freiheit siegreich gegen ihn behauptete.
2. Geusenbund und Bildersturm (1566). — AußerhalbItaliens fand man nirgends schöne und volkreiche Städte so dichtgesäet wie in den Niederlanden. Ihre Seehäfen waren groß ge-worden, indem sie vermöge ihrer Lage den Verkehr zwischen demSüden und Norden, dem Osten und Westen Europas vermittelten.In Antwerpen strömten Portugiesen, Spanier, Italiener, Fran-zosen, Briten, Deutsche, Dänen und Schweden mit ihren Produktenaus allen Erdteilen zusammen, und man sagte, daß dort jetzt in einemMonate mehr Geschäfte gemacht würden als zu Venedig in zwei Jahren.Die Binnenstädte blühten durch hoch entwickelte Gewerbe, wie Be-reitung von Tuchen, kunstreichen Tapeten u. s. w., und überall ver-kündeten prächtige Kirchen, stolze Rathäuser und Tuchhallen den Reich-tum des niederländischen Bürgertums. Jede Provinz, jede Stadtbesaß ihre althergebrachten Rechte und Freiheiten, so daß die Gewalt
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