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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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aller Macht belagerten. Schon stieg die Not aufs höchste, Tausendestarben an Hunger und Pest, und Oranien hatte kein Landheer mehr,um die Stadt zu entsetzen. Da durchstachen die Holländer auf seinenRat die Dämme, die ihr tiefliegendes Land vor der Meeresflut schützten;aber noch hielt der Wind wochenlang das Wasser zurück. Endlich schluger um, die Wogen des Ozeans rauschten über Wiesen und Felder undauf ihnen kamen die Schiffe der Geusen. 15,000 Spanier starben inden Fluten oder unter den Streichen der Gegner. Leyden war gerettetund empfing zum Tank für seine Standhaftigkeit eine Universität,die mitten im Kriege feierlich eingeweiht wurde. Als Requesens kurzdarauf starb, meuterten die spanischen Truppen, die lange keinen Soldbekommen hatten, und verübten so scheußliche Frevel in Antwerpenund anderen Städten, die sie verteidigen sollten, daß auch die süd-lichen, vorwiegend katholischen Provinzen sich jetzt dem Aufstandeanschlössen. Umsonst erschien der Held von Lepanto, Don Johannvon Österreich, an Requesens Statt; er kam nur, um an einer Seucheein rühmloses Ende zu finden. Das Gerücht ging, Philipp II. habeaus Eifersucht und Argwohn den eigenen Bruder vergiftet, ein Zeugnisdessen, was man ihm alles zutraute.

5. Utrechter Union (1579). Tod Oraniens und Fall Ant-werpens (1584—85). — Zu Don Johanns Nachfolger bestimmtePhilipp seinen Neffen Alexander Farnese, nachmaligen Herzogvon Parma, den Sohn Margarethas, einen ebenso ausgezeichnetenFeldherrn als schlauen und gewissenlosen Politiker. Er wußte die Ab-neigung des katholischen Südens gegen den protestantischen Nordenaufs trefflichste auszubeuten und brachte einen Teil der Provinzenzum Abfall von der gemeinsamen Sache, indem er von ihnen nur dieAusrottung des Protestantismus verlangte, ihre politischen Freiheitenaber gewährleistete. Dafür schlössen sich auf Betreiben Oraniens dienördlichen Landschaften um so enger zusammen. Zu Utrecht ver-einbarten ihre Abgesandten 1579 eine Union, d. h. ein Schutz- undTrutzbündnis für ewige Zeiten gegen alle Versuche, ihre politische undreligiöse Freiheit zu verletzen. Zwei Jahre später entsetzten sie Philippförmlich seiner Herrschaft, indem sie erklärten, er habe sie durchseine Tyrannei verwirkt, und der Grund zur Republik der