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dank der Käuflichkeit so manches Reichsfürsten, über einen großen TeilDeutschlands wie über seine Provinz. In Italien fühlte er sich ebenfallsals Herr. Wehe dem Staate, der es wagte, seinen Befehlen zu trotzen!Wegen einer angeblichen Beleidigung ließ er das prächtige Genuamit 14,000 Bomben überschütten; selbst den Papst behandelte er wieeinen Vasallen und schien von der Diktatur über Europa nicht mehr fern.
6. Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685). — Aberhinter diesem Glänze lauerte schon der Verfall. Colbert hatte dasVolk, dessen Steuerlast er anfänglich erleichtert, wieder elend machenmüssen, um dem König die Mittel zu seinen Raubkriegen aufzubringen,und starb 1683 voller Schmerz darüber. Mit ihm schied Frankreichsguter Engel; denn der alternde Ludwig war jetzt ganz dem Einflüssedes brutalen Louvois, des Jesuiten La Chaise, seines Beichtvaters,und der bigotten Frau von Maintenon preisgegeben, die er alsErzieherin der Kinder einer seiner Geliebten kennen gelernt und sichzuletzt als Gemahlin angetraut hatte. Am schwersten traf dieser Wechseldie Hugenotten. Schon längst hatte der katholische Klerus auf ihreUnterdrückung hingewirkt und beim König geneigtes Ohr gefunden.Mit dem Tode Colberts, der sie als die betriebsamsten, tätigsten Unter-tanen geschätzt und deshalb nach Kräften geschirmt hatte, war ihrletztes Bollwerk dahin, und Ludwig machte sich uun daran, das edelsteWerk seines Großvaters planmäßig zu zerstören. Man entriß denEltern ihre Kinder, um sie katholisch zu erziehen, man schloß die Pro-testanten von allen Ämtern aus, man verbot ihnen, ein Handwerkzu üben, man zerstörte ihre Kirchen. Kein Mittel blieb unversucht,um sie zum Abfall zu zwingen. Das Höchste leistete Louvois, indemer bei den Ketzern Dragonerbanden einquartieren ließ, welchen ergestattete, alle möglichen Greuel zu verüben außer dem Morde.1685 endlich hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes förmlich aufund verbot jeden protestantischen Gottesdienst unter den härtestenStrafen. Auswanderung war den unglücklichen Reformierten beiGaleeren- und Todesstrafe untersagt; dennoch gelang es Hundert-tausenden, vor der unmenschlichen Verfolgung in die Fremde zu ent-kommen, die sie mit ihrer Habe, ihrem Kunstfleiß und ihren Kennt-nissen bereicherten, während Frankreich um so viel ärmer wurde.