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Wochen vor ihrem Hinschiede wurde die Unterwerfung Irlands,mit der die Engländer schon im Mittelalter begonnen hatten, voll-ende tund durch ihren Nachfolger Jakob I., den Sohn Maria Stuarts,der als nächster Verwandter Elisabeths den Thron erbte, auch Schott-landmit England verbunden. Doch behielt Schottland zunächst seinevolle Selbständigkeit mit eigenem Parlament und eigenen Gesetzenbei, während die stammfremden, katholisch gebliebenen Iren von denSiegern als Unterworfene mit Härte behandelt wurden. Jakob I.,nach Sullys Urteil der „gelehrteste Narr der Christenheit", tat sichauf ein angelerntes Bücherwissen viel zu gute und hegte die höchsteEinbildung von sich und seiner Gewalt. Er prahlte beständig, wieer kraft seines Rechtes von Gottes Gnaden über Gesetz und Parla-menten stehe. Da er indes hochmütiger in Worten, als kräftig im Han-deln war und überhaupt nach außen und innen elend regierte, wurdeer weniger gefürchtet als gehaßt und verachtet. Nur in der Verfolgungder Puritaner zeigte er Beharrlichkeit. Da er in der presbyterianischenKirche Schottlands aufgewachsen war, hatten jene anfänglich gehofft,er werde auch die englische in ihrem Sinne umgestalten. Allein Jakobfand den größten Gefallen an der monarchisch-bischöflichen Ordnungder letzteren. „Kein Bischof, kein König," sagte er und legte gegendie Calvinisten größere Erbitterung an den Tag, als gegen die Papisten,obgleich einige katholische Fanatiker ihn im Beginne seiner Regierungsamt der Reichsversammlung durch eine im Parlamentshause gelegtePulvermine hatten in die Luft sprengen wollen (Pulververschwö-rung). Die rohen Ausbrüche seines Despotismus führten indes bloßdazu, daß die Puritaner die unerbittlichsten Feinde seiner absolutistischenGelüste wurden und anfingen, darüber nachzudenken, ob denn nichtein königsloser Staat, eine Republik der Monarchie vorzuziehen wäre.Sie gaben diesen Gedanken in den Wildnissen Nordamerikas Aus-druck, wo viele von ihnen Zuflucht suchten und die Republiken vonNeuengland gründeten, wovon später die Rede sein wird.
3. Karls I. Despotie (1625—40). — Ernstlicher gestaltete sichdie Lage unter Jakobs Sohn, Karl I., der die Ideen seines Vatersvollkommen teilte, die gleiche Gewissenlosigkeit und weit mehr Mutund Entschlossenheit besaß, sie zu verwirklichen. Die Vertreter der
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