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aus der englischen Kirche werden sollte, eine verhängnisvolle Spal-tung ausgebrochen. Einig im Hasse gegen Laud, der gegen Endedes Bürgerkrieges ebenfalls das Schaffst besteigen mußte, wolltenalle die Beseitigung der von ihm mißbrauchten bischöflichen Ordnung.Die große Mehrheit der Puritaner beabsichtigte, an ihre Stelle nachdem Vorbilde der Schotten die streng calvinische PresbyterianischeKirche zu setzen, von der keinerlei Abweichung geduldet werden sollte.Aber schon gab es in ihrer Mitte Leute, welche fanden, daß jederGlaubenszwang verwerflich sei, mochte er von Bischöfen oder Pres-bytern ausgeübt werden, und die daher für jede christliche Gemeindeoder Sekte Duldung (Toleranz) verlangten, so daß sie unabhängig(inctepLnäent) von der Landeskirche nach ihrem Ermessen Gott dienendürfe. Noch war jedoch das Verständnis für Glaubensfreiheit so wenigverbreitet, daß die Forderung der Toleranz im Parlament, in derGeistlichkeit und im Volk auf den heftigsten Widerstand stieß. Alleinwenn die„Presb yterianer" im Parlament und Volk die Mehrheitfür sich hatten, so.war die Gesinnung der „Jndependenten", wieman die Anhänger der Glaubensfreiheit nannte, im Heere stark ver-breitet, und Cromwell machte sich zu ihrem Sprecher. So wurde derStreit zwischen Presbyterianern und Jndependenten zu einem solchenzwischen Parlament und Armee. Als das erstere zur Auflösungder letztem schreiten wollte, bemächtigten sich die puritanischen Sol-daten der Person des Königs, zogen gegen London und zwangen dieVersammlung, ihre Beschlüsse zurückzunehmen. Jede Kartei suchtenun den gefangenen König für sich zu gewinnen, und dieser unter-handelte mit beiden, um beide zu betrügen; er hoffte die verhaßtenGegner sich bald untereinander zerfleischen zu sehen. Aber dies doppel-züngige Spiel rächte sich schließlich furchtbar an Karl selber. Die Sol-daten verloren die Geduld und verlangten, daß der König als Urheberall des Blutvergießens gerichtet und die Monarchie abgeschafftwerde; stellte doch in der von den Puritanem als Quelle allerWahrheit verehrten Bibel der Prophet Samuel die Wahl eines Königsals Abfall von Gott dar, und waren ja die glorreichsten Staaten desAltertums Republiken gewesen. Als die Mehrheit des Parlamentesdavon nichts wissen wollte und sich um jeden Preis mit dem Könige