Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
Seite
291
JPEG-Download
 

291

als die Herren, sondern nur als die ersten „Diener" ihrer Völker be-trachten.*)

2. Der österreichische Erbsolgekrieg (1740—48). — In-folgedessen erwartete man allgemein einen friedlichen „philosophischen"König zu sehen, als der Freund Voltaires 1740 den preußischen Thronbestieg. Aber Friedrichs Brust war von einem ganz andren Strebenerfüllt; er wollte das treffliche Heer, das ihm sein Vater hinterließ,benutzen, um sein Königreich den übrigen Mächten ebenbürtig zumachen. Den Anlaß dazu bot ihm der noch im gleichen Jahre erfolgteTod Kaiser KarlsVI. Dieser hatte, da der Mannsstamm der Habs-burger mit ihm erlosch, gesucht, durch ein Gesetz, die sogenannte Prag-matische Sanktion, seiner schönen und klugen Tochter MariaTheresia und ihrem Gemahle Franz von Lothringen die Nach-

*) Die bekannteste von diesen Schriften ist der „Antimacchiav el l",den Friedrich durch Vermittlung Voltaires vor seiner Thronbesteigung inHolland drucken liest. Derselbe ist gegen das „Ungeheuer" Macchiavelligerichtet, den großen Florentiner vom 16. Jahrhundert, der in seinem be-rüchtigten Buche vom „Fürsten" die Mittel lehrt, durch welche ein Fürst sichin seiner Macht erhalten und sie vermehren könne. Dabei spricht Macchia-velli mit solcher Gleichgilitgkeit von Gewalt, Hinterlist, Treubruch, Mord undRuchlosigkeiten allerart, daß „macchiavellistische" Staatskunst sprichwörtlichgeworden ist. Da er jedoch in seinen übrigen Schristen und auch in seinemLeben sich als feurigen Republikaner bewies, so hat man vermutet, er habedas Schreckbild des Despotismus den Völkern in voller Nacktheit zur War-nung hinstellen wollen; Rousseau nennt den „Fürsten" geradezu das „Buchfür Republikaner". Indessen scheint Macchiavelli seine Ratschläge vollkommenernst gemeint zu haben; ihn beseelte vor allein glühende Liebe zum Vater-lande, und da er daran verzweifelte, das zerrissene Italien durch die Frei-heit vor den Fremden zu retten, so wollte er einem Tyrannen den Wegzeigen, wie er seine Mittyrannen stürzen, Italien unter einem Szepter ver-einen und es auf diese Weise von der Fremdherrschaft befreien könne. „Wennes sich um das Heil des Vaterlandes handelt," ruft er aus, „dürfen wederGerechtigkeit noch Ungerechtigkeit, weder Erbarmen noch Grausamkeit, wederLob noch Schande in Anschlag kommen, sondern alle Bedenklichkeiten beiSeite, das Vaterland muß gerettet werden, sei es mit Ruhm, sei es mitSchande." übrigens liest Friedrich als König die Ausgabe des „Nntimac-chiavell" sorgfältig zerstören, und der Urheber der Teilung Polens tatwohl daran.

19 *