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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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Katholiken, wurden aber unerbittlich abgewiesen. Dies gab Katharinaden Vorwond, im Namen der Toleranz und Humanität*) Polen mitTruppen zu überschwemmen und ihm Verträge aufzuzwingen, die eszur russischen Provinz erniedrigten. Da schlössen eine Anzahl Patrio-ten zu B ar in Podolien eineKonföderation" zum Kampf für dieFreiheit des Vaterlandes, freilich auch für die Alleinherrschaft deskatholischen Glaubens (1768), und ein greuelvoller Krieg der Polenuntereinander und gegen die Russen entbrannte. Durch eine Grenz-verletzung der letzteren gereizt, verband sich der Sultan in Konstantin-opel mit den polnischen Konföderierten und erklärte Katharina II.den Krieg. Aber die Türken kämpften unglücklich gegen die Russen.Diese eroberten die Krim, drangen in die Moldau und Walachei einund vernichteten 1770 die ganze türkische Flotte in der Bai vonTschesme (in Kleinasien gegenüber Chios). Damit war auch PolensSchicksal besiegelt. Friedrich der Große war es, der Katharina II. denVorschlag zu seiner Zerstückelung machte, um es nicht ganz in russischeHände fallen zu lassen. Auch Österreich wurde eingeladen, an derBeute teil zu nehmen. Maria Theresia hatte Bedenken,um eineslumpigen Stückes Polen willen ihre Ehre vor Mit- und Nachwelt indie Schanze zu schlagen," aber ihr Sohn und ihr Minister machten ihrbegreiflich, daß es noch schlimmer wäre, bei der Teilung leer auszu-gehen. So schlössen die Mächte 1772 einen Vertrag unter sich, durchden sie den vierten Teil Polens an sich rissen, und drei Armeen ersticktenden Widerstand des unglücklichen Volkes.

3. Zweite und dritte Teilung (179395). Jetzt wurdeder Mehrheit der polnischen Edelleute ihre Verblendung klar, und sieerkannten die Notwendigkeit, ihre Verfassung zu ändern. Schonhatten sich einzelne an Rousseau und andere berühmte politischeSchriftsteller um Ratschläge für eine neue Verfassung gewendet.Aber lange hielten russische Truppen jeden Reformversuch nieder.Erst als Katharina II., im Bunde mit Joseph II. sich 1787

*) Dagegen rief Katharina die Kosaken am Dnjepr zum Kampfe auf,umauszurollen und niederzumetzeln mit Gottes Hilfe alle Polen und Juden,Verächter unserer heiligen Religion . . . jene Polen, die den falschen Glaubender ruchlosen Juden beschützen." Es wurden denn auch ganze polnischeStädte von diesen Scheusalen ausgemordet.

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