Dankbarkeit zu der stillen Waldwiese am Vierländersee, der Wiegeunserer Freiheit. Jedem großen und kleinen Eidgenossen schlägt dasHerz hoch, wenn er den Namen hört. Sobald es sprießt und blüht,strömen die Schulen in die Urkantone und weihen den schönsten Tagihrer Reise dem tiefgrünen Urnersee, wo jeder Flecken Uferboden vonBrunnen bis Flüelen und Rltdors heiliges Land ist.
Mit einer fröhlichen Rinderschar, die in drei vollbeladenen Nauen inBrunnen abstößt, fahren wir zum jenseitigen Gestade hinüber. 2mhellsten Sonnenglanz schimmert das stille Gelände. In einem großenBogen rudern die drei Rähne am Schillerstein vorbei, wo die Rinderin ehrfurchtsvollem Schweigen die goldene Widmung betrachten, undnun nähern wir uns schon der Rütliwiese am Fuß der grünbuschigenFlühe von Seelisberg. viel zu spät, erst knapp vor der Landung, wirddas Rütlilied angestimmt, und sobald die Riele ans User prallen,geht ein Ruck und Riß durch die Melodie. Die wilden Buben springenans Land und stürmen den Fußweg hinan. Ruf der wiese trocknet derLehrer die Stirne und stellt sich in die Mitte seiner Schutzbefohlenen:„Hier also ist der Drt, wo die Lidgenossen am l. Rugust —"
„Herr Lehrer," unterbricht ihn ein Frechhals, „hier unter denBäumen können wir gut abkochen, da sind wir im Schatten."
Der Lehrer fährt nochmals über die Stirne und befiehlt abzukochen.Nach der Erbsensuppe wird die unheilige Jugend stille. Langbeinigschreitet der Pächter daher, um Kraft seines Rmtes zum Rechten zusehen. Wie er den Gebieter bei der Gruppe bemerkt, hellt sich seinBlick. Er sitzt mitten in die Rnabenschar hinein, brennt die Zigarre an,die der Lehrer ihm gespendet hat, und antwortet aus all die hundertFragen so gern und interessant, daß die Buben die Ohren spitzen undmäuschenstille werden. Der Pächter der Rütliwiese, der im National-heiligtum unumschränkter Meister ist, erwächst in ihren Rügen zumHalbgott, in diesem Rugenblick fast noch über den Lehrer hinaus.
„Im Jahre l858," erzählt der Pächter, „war der Besitzer des Rütlieben im Begriff, einen Hotelkasten zu erstellen. Lr gedachte dabei einseines Geschäft zu machen und in kurzer Zeit ein steinreicher Mann zuwerden, weil doch immer so viele Leute die heilige Stätte besuchten. Dawar nun grad die schweizerische gemeinnützige Gesellschaft auf demUrnersee, und als sie von den Absichten des Besitzers erfuhr, gab esempörte Gesichter. Nicht lange nachher erschien in den Zeitungen einRufrus an das Schweizervolk, man solle Geld zusammenschießen und
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