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und Bundesgenossen zwar nicht zu freiem Eigentum, aber in un-veräußerliche Erbpacht gegeben werden.
Der feurige Redner erlangte die Zustimmung des römischenProletariats. Als ein durch den Senat gewonnener Mittribun Ein-sprache gegen das Gesetz erhob und es dadurch gefährdete, zögerteTiberius nicht, ihn auf gesetzwidrige Weise abzusetzen. Um seineReformen zu Ende zu führen, bewarb er sich, entgegen der herr-schenden Sitte, auch für das folgende Jahr um das Tribunat. Dererschrockene Senat aber überrumpelte die Wahlversammlung, er-schlug Tiberius und räumte durch einen Massenmord unter dessenAnhängern auf.
Gajus Sempronius Gracchus. Nicht besser erging esseinem jüngeren Bruder Gajus, der neun Jahre später mitnoch größerer Energie die Reformen betrieb. Das Volk gewanner durch staatliche Getreidespenden, die Ritterschaft dadurch,daß er ihr das Richteramt über die Beamten übertrug. So war erzwei Jahre lang als Tribun beinahe Alleinherrscher und imstande,die Ackerverteilung weiter zu führen. Selbst außerhalb Italiens ver-suchte er Kolonien zu gründen (Karthago). Als er aber Latinerund Bundesgenossen in seine Fürsorge einbeziehen wollte, schwenktedas eigennützige und charakterlose Volk Roms von ihm ab und ver-warf den Antrag. Ein bestochener Mittribun üntergrub sein An-sehen, indem er dem Volke, aber nur dem römischen, weitgehendeVorteile verschaffte. So unterlag Gajus bei der dritten Tribunen-wahl. Die siegreiche Senatspartei suchte nun die Gesetze des Ge-furchtsten aufzuheben. Das führte zum Bürgerkrieg. In wildemStraßenkampfe wurden die Anhänger der Gracchen überwältigt. Gajusließ sich durch einen Sklaven töten, während der rachsüchtige SenatTausende seiner Partei elend hinschlachtete.
2- Die Zerrüttung des Reiches. Der römische Staat aber kamnicht zur Ruhe. Die Parteikämpfe dauerten fort und brachten dasReich ins Wanken. Rom mußte den Bundesgenossen das Bürgerrechtzugestehen, um eine geplante Losreißung zu verhindern. Die See-räuberei schädigte den Handel, und Sklavenaufstände bedrohten Rom.Der Parteihaß führte zu entsetzlichen Greueln. Einst verhängte derVolksführer Marius, einer der berühmtesten Feldherrn, ein fünf-tägiges Morden über Rom, dem die hervorragendsten und edelstenBürger zum Opfer fielen. Wenige Jahre später war die Senatsparteiwieder Meister, und ihr Führer Sulla, der glückliche Nebenbuhler