II. Das Mittelalter.
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Inzwischen hat sich der Hunnenkönig Attila oder Etzel dieDonauländer bis zum Rhein unterworfen und will Gallienerobern, wird aber von den Römern, Westgoten und Franken451 auf den katalaunischen Feldern bei Chälons a. d. Marnegeschlagen, unternimmt aber im nächsten Jahre einen Einfallnach Italien; Papst Leo I. (und Seuchen) bewirken seinenAbzug (Entstehung Venedigs in den Lagunen). Attila stirbt,das Hunnenreich löst sich aus. Die Ostgoten werden frei.476 Odoaker, der Führer der germanischen Söldner in Rom,fordert ein Drittel des italischen Ackers für seine Scharen; daseine Forderung nicht erfüllt wird, stürzt er den KaiserRomulus Augustulus und gründet sich eine eigene Herr-schaft: König der Germanen in Italien.
I. Periode: Dom Untergänge des weströmischen Reichesbis zum Vertrage zu Verdun (476-84S).
Odoakers Herrschaft in Italien ist nur von kurzer Dauer;493 er wird von dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen(Dietrich von Bern) in der Rabenschlacht bei Ravenna besiegtund getötet, der in Italien das Ostgotcnreich mit der HauptstadtRavenna stiftet. Sein Plan einer Verschmelzung der Gotenund Römer scheitert an dem religiösen Gegensatz. Der Streitder Bischöfe Arius (Christus ist Gott nur wesensähnlich) undAthanasius (Christus ist gleichen Wesens mit Gott) ist aufder Kirchenversammlung zu Nicäa zugunsten des Athanasiusentschieden. Die Goten waren Arianer, die Römer katholisch,d. h. Anhänger des Athanasius. Nach Theoderichs Tode suchtder oströmische Kaiser Justinian durch seine FeldherrenBelisar, den Zerstörer des Vandalenreiches, und Narsesdie Herrschaft der Ostgoten in Italien zu stürzen (die letztenGotenkönige Totilas und Tejas, Schlacht am Vesuv; vgl. FelixDahn „Ein Kampf um Rom"), das eine Provinz des byzan-tinischen Reiches wird (Exarchat). Bald nach Justinians Tode(der das corpus iuris, d. i. die Gesetzessammlung des römischenRechts zusammenstellen läßt) wird der größte Teil Italiensdem Ostreiche durch die Langobarden entrissen, deren König868 Alboin in der Poebene das Langobardenreich mit der Haupt-stadt Pavia gründet. Die Ostkiiste, die Südspitze, die Gebieteum Rom und Neapel bleiben griechisch.
Um diese Zeit droht dem Abendlands eine neue Gefahrvon den Arabern. Mohammed, Prophet einer neuen622 Religion, des Islam (Ergebung); seine Flucht von Mekkanach Medina (Hedschra), Beginn der mohammedanischenZeitrechnung. Seme Nachfolger (Kalifen) erobern Syrien,Palästina, Persien, Ägypten, Nord-Afrika. Die Araber über-schreiten die Meerenge von Gibraltar, vernichten das West-gotenreich durch die Schlacht bei Leres de la Frontera unddringen in Gallien ein, wo sie von dem fränkischen Hausmeier792 Karl Martell bei Tours und Poitiers geschlagen werden.Das herrschende Kalifengeschlecht der Ommaijaden wird vonden Abbasiden ausgerottet, deren bedeutendster der Kalif