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IH. Die Neuzeit.
Händler Tetzel in Sachsen vor und schlägt am 31. Oktober
1517 1517 die 95 Thesen (Sätze) an die Schloßkirche zuMitten berg. Beginn der Reformation. Luther, vom PapsteLeo X. zur Verantwortung gerufen, geht nicht nach Rom.Weder der Kardinal Cajetan noch der päpstliche KämmererMiltitz vermögen ihn zum Widerruf zu bewegen. Luther ver-spricht zu schweigen, falls die Gegenpartei schweige. Dispu-' tation mit vr. Eck zu Leipzig. Luther, in den Bann getan,verbrennt die Bannbulle vor dem Elstertor zu Wittenberg.
1519—1556 Karl V. deutscher Laiier, durch seinen Vater Philippden Schönen, den Sohn Maximilians, Erbe der Habs-burgischen Länder; durch seine Großmutter Maria Erbevon Burgund; durch seine Mutter Johanna Erbe vonSpanien und dessen Kolonien.
Um die Religionsstreitigkeiten in Deutschland zu schlichten,
1521 beruft er den Reichstag zu Worms, wo Luther seineLehre verteidigt. Er wird in die Reichsacht getan, seineLehre verdammt (Wormser Edikt). Der Kurfürst Friedrichder Weise rettet ihn auf die Wartburg, wo Luther alsJunker Jörg die Bibelübersetzung beginnt. Unruhen in-folge Mißverständnisses seiner Lehre (Bilderstürmer, ZwickauerPropheten) zwingen ihn, nach Wittenberg zurückzukehren, woer mit Wort und Schrift für seine Lehre eintritt. Luthervermählt sich mit Katharina von Bora. Inzwischen
1526 bricht der Bauernkrieg infolge Mißverständnisses derLehre von der christlichen Freiheit und wegen der hartenBedrückung der Bauern aus (Götz von Berlichingen).Niederlage des Führers Thomas Münzer und Bestrafungder Empörer. Luthers Lehre gewinnt immer mehr An-hänger: Ulrich von Hütten, Franz von Sickingen,Hans Sachs, Philipp Melanchthon; Kurfürst Johannder Beständige von Sachsen, Philipp der Großmütige vonHessen, Albrecht von Brandenburg, der Hochmeister desDeutschen Ritterordens, Kurfürst Joachim H. von Branden-burg und viele Städte.
1526 I. Reichstag zu Speier: Erlaubnis der Reformation,
1529 dagegen verbietet der II. Reichstag zu Speier die Aus-breitung der Reformation. Die Anhänger Luthers erhebenWiderspruch: Protestanten.
1530 Reichstag zu Augsburg. Die Protestanten überreichendem Kaiser das von Philipp Melanchthon verfaßte Glaubens-bekenntnis (eonksssio ^ugustaoa). Dieser verlangt schleunigeRückkehr der Protestanten zur katholischen Kirche unter An-drohung der Ausrottung. Die protestantischen Fürsten undStädte schließen sich zum Schmalkaldischen Bunde zu-sammen. Der Kaiser muß ihnen aber wegen der drohenden
1532 Türkengefahr in demReligionssrieden zu Nürnberg freieReligionsübung bis zu einem allgemeinen Konzil zugestehen.
Inzwischen ist in der Schweiz ein neuer Reformator er-standen, Ulrich Zwingli, dessen Lehre sich im allgemeinenmit der Luthers deckt, nur in der Abendmahlslehre abweicht.Da eine Einigung nicht erfolgt, so scheiden sich die Anhänger