III. Die Neuzeit.
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3. Raubkrieg. Ludwig erhebt nach dem Aussterben desHauses Pfalz-Simmern Ansprüche auf die Pfalz für die Ge-mahlin seines Bruders, eine Schwester des verstorbenenPfalzgrafen. Der Kaiser, Spanien, Holland, England gegenLudwig. Furchtbare Verheerung der Pfalz (Heidelberg,Worms, Speier) durch die Franzosen unter Melac. Friedenzu Ryswyk beim Haag: Ludwig behält das Elsaß mit Straß-burg, gibt aber die übrigen Eroberungen dieses Krieges heraus.1685 Aushebung des Edikts von Nantes: Auswanderung derProtestanten nach England, Holland, Brandenburg.1658—1705 In dieser Zeit regiert in Deutschland Leopold I., deraußer diesen Kämpfen gegen Ludwig XlV. noch schwereKriege gegen die Türken zu bestehen hat. Diese dringen,von den aufständischen Ungarn unterstützt, unter Kara1683 Mustafa bis Wien vor, das aber durch Rüdiger vonStarhemberg heldenmütig verteidigt und von dem Polen-könig Johann Sobiesky entsetzt wird. Dann werden dieTürken durch mehrere Siege zurückgedrängt: Prinz EugensSieg bei Zenta an der Theiß.
1701—1714 Der Spanische L'rbsolgekrieg. Ludwig XIV. von Frank-reich und Leopold I. von Deutschland haben zwei SchwesternPhilipps IV., des vorletzten Königs von Spanien, zu Mütternund zwei Schwestern Karls II., des letzten männlichen Sprossesdes spanisch-habsburgischen Hauses, zu Frauen. Alsdieser 1700 stirbt, erhebt Ludwig XIV. trotz des Verzichtesseiner Gattin und Mutter für seinen Enkel Philipp V. Erb-ansprüche aus Spanien, desgleichen Leopold I. für seinenzweiten Sohn Karl. England, Holland, Preußen unddas Deutsche Reich verbinden sich mit Leopold, Bayern undCöln mit Ludwig. Kriegsschauplätze: Spanien, Italien,Deutschland und die Niederlande; Sieg des Prinzen Eugenvon Savoyen und des Engländers Marlborough überdie Franzosen und Bayern bei Höchstädt, die Franzosengehen über den Rhein zurück. Der Kaiser Leopold stirbt, esfolgt sein Sohn
1705—1711 lloseph I. Marlborough siegt bei Ramillies und be-setzt die spanischen Niederlande; Eugen schlägt mit Hilfe der1706 Preußen unter Leopold von Dessau die Franzosen beiTurin; inzwischen wird in Spanien mit abwechselndemGlücke gekämpft. Nach den Siegen Marlboroughs undEugens bei Oudenarde und Malplaquet in Belgien istLudwig zum Frieden geneigt, will sogar auf Elsaß ver-zichten. Nur die übertriebene Forderung der Verbündeten, daßer selbst seinen Enkel aus Spanien vertreiben solle, bringt dieVerhandlungen zum Scheitern. Zwei Ereignisse führen eineglückliche Wendung für Ludwig herbei: I. Die Whigparteiund Marlborough werden von der Königin Anna gestürzt,1711 friedliebendes Toryministerium. 2. Der Tod des KaisersJoseph und die Wahl seinesBrudersKarl zum deutschenKaiser. Die Verbündeten des Kaisers wünschen aber die Ver-bindung von Österreich und Spanien in einer Hand nicht,1713 schließen daher den Frieden zu Utrecht: Philipp V.