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III. Die Neuzeit.
wird als König von Spanien anerkannt unter der Bedingung,daß Frankreich und Spanien nie vereinigt werden dürfen.England bekommt Gibraltar, von Frankreich Neu-Fundlandund die Hudsonbailänder. Preußen erhält das OberquartierGeldern (bei Kleve) und die allgemeine Anerkennung der1714 Königswürde. Im nächsten Jahre Friede zu Rastattzwischen dem Kaiser und Frankreich: Der Kaiser erhält diespanischen Niederlande, Mailand, Neapel und Sizilien.
1689—172S Peter der Große, der Begründer der Großmacht Ruß-lands, aus dem Hause Romanow. Sein Lehrer ist der GenferLefort, seine Halbschwester Sophie Regentin. Seine Zielesind Einführung europäischer Kultur in Rußland und Aus-dehnung seines Reiches bis an die Ostsee und das SchwarzeMeer. Zwei Reisen ins Ausland zur Selbstbildung (Er-lernung der Schiffsbaukunst in Zaandam in Holland) undzur Anwerbung ausländischer Offiziere, Künstler und Hand-werker. Eine Empörung oer Anhänger des Alten wird blutigunterdrückt, Sophie in ein Kloster geschickt; eine zweite Er-hebung der alten, allmächtigen Leibgarde der Strelitzenendigt mit der Hinrichtung der Führer und der Auflösungder Garde, Ersatz durch ein nach europäischer Weise ge-bildetes Heer.
Um an der Ostsee eine Seemacht zu gründen, schließtPeter ein Bündnis mit dem Könige von Dänemark unddem Könige von Polen, August dem Starken, dergleichzeitig Kurfürst von Sachsen fit, gegen den jugendlichenSchwedenkönig Karl XII. Dieses veranlaßt
1700—1721 den Nordischen Rrieg. Die Dänen eröffnen den Kriegdurch einen Einfall in Schleswig, Karl landet plötzlich aufSeeland, bedroht Kopenhagen und zwingt die Dänen zum1700 Frieden zu Travendal. Noch in demselben Jahre be-siegt Karl XII. den Zaren bei Narwa, wendet sich gegendie Polen und Sachsen, die er in verschiedenen Schlachtenbesiegt; er läßt Stanislaus Lesczinski zum Könige derPolen wählen, verfolgt August nach Sachsen und zwingt ihn1706 im Frieden zu Altranstädt bei Leipzig, der polnischenKrone zu entsagen. Inzwischen hat Peter der Große Jngerman-1703 land erobert und Petersburg gegründet; Karl will ihmentgegenziehen, läßt sich aber von dem Kosakenhetman Ma-zeppa verleiten, einen Zug in die Ukraine zu unternehmen.Jedoch die Hilfe der Kosaken bleibt aus, während dasschwedische Heer durch Mangel und Krankheiten geschwächt1709 wird. So wird Karl von Peter bei Pultawa gänzlich ge-schlagen und flieht nach der Türkei. Nach Sjährigem Auf-enthalt bewegt er den Sultan zum Kriege gegen Rußland;ein russisches Heer wird am Pruth eingeschlossen, aber durchBestechung des Großwesirs gerettet. Karl hält sich nocheinige Jahre in dem verschanzten Lager zu Bender, bis erendlich auf die Kunde, daß man in Schweden einen Reichs-verweser einsetzen wolle, schleunigst nach Stralsund und dannnach Schweden zurückeilt. Inzwischen hat August wieder von