Kolonie für ausgediente römische Soldaten wieder aufzubauen, erhobsich das zertretene Volk nochmals. An die Spitze stellte sich ein kühnerKrieger, Bar Kochba d. i. Sternensohn genannt, der sich für denMessias ausgab. In dreijährigem Kriege wurden von den Römernabermals gegen tausend Ortschaften zerstört, 080,000 Menschen getötetund zahllose Gefangene als Sklaven verkauft. Nach Beendigung desKrieges ließ Hadrian Jerusalem unter anderem Namen (Aelia Capito-lina) wieder ausbauen, aber bei Todesstrafe war es den Juden ver-boten, den Boden der Stadt zu betreten; für die in der Welt zerstreutenSplitter des unglücklichen Volkes gab es keine Heimat mehr.
5. Wachstum und Verfolgung im 1. und 2. Jahr-hundert. — Von den Juden mit Haß und Verachtung zurück-gewiesen, fand der Glaube an Christus mit wunderbarer Schnelligkeitbei der Heidenwelt Eingang. Namentlich suchten die untern Volks-schichten in ihm Trost und Erquickung für ihre gedrückte, elende Lage.Die Bücher der Christen, die Evangelien, die Apostelgeschichte, dieBriese des Paulus, gingen von Hand zu Hand und wurden frühe alsNeues Testament mit den vom Judentum herübergenommenenBüchern des Alten Testamentes als heilige Schrift verehrt.Einer lud den andern zur Christenversammlung ein, und ergreifend warder Eindruck der heitern Zuversicht, des festen Zusammenhaltens, derGleichheit und Brüderlichkeit in der Gemeinde, in der es vorkam, daßder Sklave als Priester in seinem Herrn einen demütigen Zögling unter-wies. So ist es erklärlich, daß schon um die Mitte des zweiten Jahr-hunderts nicht nur überall im Römerreiche Christengemeinden zu findenwaren, sondern auch in Mesopotamien, Persien, ja in Indien undArabien. Indes erweckte die neue Religion frühe auch bittere Feind-schaft. Die Gebildeten verspotteten und verachteten die Anbetungeines gekreuzigten Aufrührers als sinnlosen, finstern Aberglauben undbeschuldigten die Christen des Hasses gegen die Menschheit, weil sie dennahen Untergang der Welt erwarteten und auf dies „jüngste Gericht"all ihre Hoffnungen setzten. Die Menge war ihnen abgeneigt, weil siesich von ihr wie von Unreinen absonderten, ihre Feste und Vergnü-gungen flohen und alles, was sie für heilig Hielt, als Götzendienst ver-achteten und verabscheuten. Dunkle Gerüchte berichteten von scheußlichen